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 REZENSIONEN
Eröffnungskonzert 6. Mai 2004
Konzert 1. Juli 2004

KONZERT 06. MAI 2004
 

R E Z E N S I O N von Klaus Klingbeil, Berlin
(„Lausitzer Rundschau“ vom 8. Mai 2004, Seite 7 - Kultur)

Eröffnungskonzert der 14. Großräschener Orgelkonzerte am 6.5.2004 in der St. Antoniuskirche Großräschen mit dem Concerto Polacco und Marek Toporowski (Leitung und Orgel) aus Warschau/Polen



Mit Nachtigall und Kuckuck

Begeisternder Orgel-Auftakt in Großräschen



Eins plus fünf hieß es am Donnerstag beim 1. Konzert des 13-teiligen 14. Großräschener Orgelzyklus - ein Novum, neben Organist Marek Toporowski auch ein Streichquintett aus der Mitte des Concerto Polonia aus Warschau aufzubieten, nicht nur einzelne Solisten wie bisher. Da konnte der Gast aus Katowice wirklich der herausragende Solist sein bei Händel, Bach und Mozart.

Die fünf Streicher, im Einzelfall auch mal vier bei einem Pausierenden, spielen auf nachgebauten Instrumenten, folgen der sogenannten historischen Aufführungspraxis. Sie harmonieren gut miteinander und mit dem Solisten. Der hat das Ensemble schließlich als gebürtiger Warschauer selbst gegründet! Spielfreudig zum Beispiel das Spirituoso in Händels B-Dur-Orgelkonzert.

Im ersten der beiden Allegro-Sätze im F-Dur-Pendant – mit raschen, fast tänzerischen Streichern und silbrigen Orgelregistern (jetzt immerhin 19 statt wie bisher 15) - schreit sogar mehrfach der Kuckuck. Auch die Nachtigall lässt sich hören. Was sich nicht alles zaubern lässt auf diesem Instrument! Im Larghetto gibt es dann auch Echowirkungen.

Große Zustimmung des dicht gedrängt sitzenden Publikums in der katholischen Kirche St. Antonius, als Initiator Rudolf Bönisch feststellt: Also auch heute entsteht noch neue Orgelmusik! Da ist gerade die Uraufführung von Ulrich Pogodas Toccata con spirito aus diesem Jahr (dem seines 50. Geburtstages in Wittichenau) verklungen: mit reizvollem Hell-Dunkel-Kontrast, ernst, ein wenig herb, Kraftvolles mit Gedankenfülle, wirklich gelungen.

Und da entschließt sich Toporowski, auch noch dessen Fughette maestoso zu spielen, die er im vorigen Jahr selbst in der Cottbuser Oberkirche aus der Taufe gehoben hat – freilich erst zehn Jahre nach der Entstehung. Diesmal also geht es schneller. Die Gehörgänge werden geöffnet. Reichlich Beifall für Ulrich Pogoda, den komponierenden Mann aus der Region, den Bauingenieur, der erst mit 24 endgültig zur Musik fand, nun musikalische Bauten errichtend.

Die Orgelkunst hat das Phänomen, dass im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wird, was doch so schön klingt. Ist der Solist in die Streicher eher einbezogen, eingebettet, kann er sich bei einer alten Choralbearbeitung von Georg Böhm, dem Meister des 18. Jahrhunderts, vor allem aber bei der Toccata und Fuge F-Dur BWV 540 ganz als Virtuose entfalten, so mit markantem Pedalspiel.

Der RBB hat mitgeschnitten. So kann dieses erste Konzert dieser Reihe von vielen nacherlebt werden, auch Berlin, woher einige angereist waren, und wohl auch wieder auf einer neuen der vielen schönen Großräschener Orgel-CD seinen Platz finden.


R E Z E N S I O N von Hans-Udo Vogler, Freienhufen
(Abdruck in „Lausitzer Rundschau“, Lokal-Rundschau Senftenberg vorgesehen)

Eröffnungskonzert der 14. Großräschener Orgelkonzerte am 6.5.2004 in der St. Antoniuskirche Großräschen mit dem Concerto Polacco und Marek Toporowski (Leitung und Orgel) aus Warschau/Polen



Musikalisches Ostern

14. Großräschener Orgelkonzert grandios eröffnet



Der erste Donnerstag im Mai. Die Kirche ist brechend voll. Stühle und Bänke werden zusätzlich herzugetragen. Man rückt zusammen, um anderen auch noch einen Sitzplatz zu geben. Die Menschen sind voller Erwartung. Die große Osterkerze brennt still vor dem Altar der St. Antoniuskirche in Großräschen. Und dann wird es auch in der Kirche still, ganz still. Das Ensemble „Concerto Polacco“ unter Leitung des bekannten Organisten Marek Toporowski aus Warschau stimmt seine Instrumente. Einige Sekunden höchster Anspannung und Ruhe - und dann bricht das österliche Halleluja los mit Händels „Orgelkonzert in B-Dur“. Die Musiker aus Polen nehmen mit ihren Instrumenten das bekannte und beliebte Halleluja-Thema aus dem Messias auf und musizieren voller Hingabe und Überzeugung. Es wird ein musikalisches Ostern, eine musikalische Auferstehung, ein Aufbruch in eine neue Konzertsaison, ein Halleluja auch für die Zuhörer.

Es ist beachtlich und höchst anerkennenswert, dass der Großräschener Orgelverein dieses aufwendige Konzert organisiert hat. Auch wenn die Bläserstimmen fehlten, tat das der gesamten Aufführung keinen Abbruch. Marek Toporowski (Orgel) musizierte mit Teresa Piech (1. Violine), Malgorzata Feldgebel (2. Violine), Marcin Stefaniuk (Bratsche), Teresa Kaminska (Cello) und Stanislaw Smolka (Kontrabaß) mit solcher Intensität und Anteilnahme, dass der Funke sofort übersprang. Ob es nun die Orgelkonzerte waren, wo die Orgel mit den anderen Instrumenten zusammen musizierte, oder ob es die Orgelsoli waren, die Hörer wurden einfach mitgerissen. Meisterhaft zum Beispiel nur die grandiose Pedaltechnik von Toporowski.

Dann gab es in diesem Konzert noch eine andere Besonderheit. Es kam zur „Auferstehung“, zur Uraufführung einer Orgeltoccata von Ulrich Pogoda aus Cottbus. Als Zugabe wurde auch noch die „Fugetta majestoso“ von ihm, uraufgeführt 2003 in Cottbus, dargeboten. War das letzte Werk noch sehr der Tradition verhaftet, zeigte die Toccata doch starke moderne Akzente, die aber auch vom konservativen Hörer angenommen wurden.

Eine Freude war es, die auf jetzt insgesamt 19 Register erweiterte Jehmlich-Orgel zu hören. Der festliche Klang, das Volumen des Instruments, die hellen Obertöne, die Klarheit der Stimmen, die Flöten, die so echt den Kuckuck und die Nachtigall aus Händels „Orgelkonzert Nr. 295“ nachahmten: Ein Halleluja besonderer Art. Zum Schluss führte Toporowski mit Georg Böhms Choralbearbeitung „Vater unser im Himmelreich“ zurück zum Auferstehungscharakter dieses Konzertes. So „stand das Publikum auch auf“, um damit den Künstlern für ihre hervorragende Leistung zu danken.