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 REZENSIONEN
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Konzert 1. Juli 2004

KONZERT 1. JULI 2004
 

R E Z E N S I O N von Daniel Sobotta, Großräschen
("Regionalanzeiger" vom 9. Juli 2004, Seite 4)

Musik für Orgel und Sheng
Wu Wei (Chinesische Mundorgel Sheng); Gunter Kennel, Berlin (Orgel); Donnerstag, 1. Juli 2004, 19.30 Uhr

Orgelklänge einmal ganz anders

Wieder gut gefüllt war die St. Antonius-Kirche in Großräschen am Donnerstag abend letzter Woche, als der Großräschener Orgelkonzerte e.V. zu einem ganz besonderen Orgelkonzert einlud: Musik für Orgel und Sheng. Sheng - dieses den meisten vermutlich völlig unbekannte Musikinstrument ist eine chinesische Mundorgel, bei der sowohl mit Hilfe von Tasten, als auch mit diffiziler Anblastechnik einzelne Töne und sogar Akkorde geformt werden können. Gespielt wurde das exotische Instrument an diesem Abend von Wu Wei, einem aus China stammenden hochbegabten Musiker und mehrfachen Preisträger internationaler Wettbewerbe. An der Orgel saß Gunter Kennel, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz.
Gespannt lauschten die Zuhörer den ersten Tönen der Sheng. Unglaubliches war da zu hören, weiche, streichende, beinah überirdisch wirkende Tonfolgen. Der Klang erinnerte mehr an elektronisch erzeugte Tongebilde denn an ein Naturinstrument. Fremdartig wirkte auch die Sonate g-Moll von Antonio Vivaldi, bei der sich barocke Muster mit dem eigentümlichen Klangcharakter der Sheng mischten. Meisterhaft präsentierte sich dann ebenso Gunter Kennel, als er zur Fantasie und Fuge g-Moll von J. S. Bach anhob. Die Fuge stellt eines der spieltechnisch anspruchsvollsten Werke Bachs dar. Kennel verstand es anschließend, Ausdruck und Spannung seines Solospiels mit einer eigenen Komposition, der Toccata und Fuge „Nun danket all und bringet Ehr“, sogar noch zu steigern. Hier machte sich die im vorigen Jahr erfolgte Erweiterung der Jehmlich-Orgel in der St. Antonius-Kirche um 4 Register im Hauptwerk deutlich bemerkbar.
Ganz in den Bann der Sheng genommen wurden dann die Zuhörer mit einer Komposition Wu Wei´s für Sheng solo. Hier konnte erstmals ein Eindruck vom mehrstimmigen Klangbild der Sheng gewonnen werden. Ekstatisch spielte Wu Wei, stieß fächerartige Tonkaskaden aus der Sheng. Es ist wohl nicht übertrieben, dass sich die Konzertbesucher in eine andere, fremde, zugleich aber ästhetisch schöne Welt versetzt sahen. Wu Wei erntete für dieses Stück verdient den ersten „Bravo“-Ruf des Abends, dem am Ende des Konzerts - gemeinsam mit stehenden Ovationen - weitere folgten.