In diesem Jahr findet zum 14. Mal das Festival OSTEUROPÄISCHE ORGELMUSIKTAGE in Großräschen statt. Traditionell werden zum ersten Wochenende im September Musiker aus unseren osteuropäischen Nachbarländern eingeladen. Damit wird ein Kennenlernen über die Musik ermöglicht. Die Orgelmusiktage beginnen mit dem regulären Orgelkonzert am Donnerstag.
I. Bulgarische Orgelmusik und Bach
Donnerstag, 2. September 2010, 19.30 Uhr 18.30 Uhr Kirchen- und Orgelführung St. Antonius Großräschen
Philharmonieorganist Velin Iliev, Sofia/Bulgarien
Velin Iliev
Aus dem Programm:
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Fantasie und Fuge in c-Moll BWV 537 O Lamm Gottes, unschuldig - 3 versus BWV 656 Schmücke dich, o liebe Seele BWV 654 Nun danket alle Gott BWV 657
Artin Poturljan (geb. 1943) Vier geistliche Gesänge über Themen von Nerses Schnorhali (1101 - 1173) 1. Gesang über Johannes Chrysostomus 2. Himmels Bräutigam, ewiges Licht des Geistes 3. Segen 4. Gott im Himmelreich
Johann Sebastian Bach Toccata und Fuge in F-Dur BWV 540
Velin Iliev (geb. 1952 in Sofia) erhielt seine erste musikalische Ausbildung an der staatlichen Musikschule im Fach Klavier bei Ludmila Jakovleva. Weitere Klavierstudien erfolgten an der Musikakademie „Pancho Wladigerov“ in Sofia. 1974 bis 1980 studierte er Orgel bei Prof. Alena Vesela an der „Janacek-Akademie der musischen Künste“ in Brno (Brünn), Tschechische Republik. Dort absolvierte er mit Auszeichnung. 1978 erhielt er das Ehrendiplom beim „II. Internationalen Anton-Bruckner-Orgelwettbewerb“ in Linz. Zwischen 1980 und 1995 besuchte er zahlreiche Sommer-Meisterkurse bei Milan Slechta, Lionel Rogg, Michael Schneider, Almut Rossler u. a. in Prag, der Schweiz, Österreich und Belgien. Seit 1983 ist er als Organist und Pianist der bulgarischen Chorkapelle und der Sofioter Philharmonie tätig. In den letzten Jahren widmet er sich der Orgelpflege, wozu er sich 2002 bei der Orgelbaufirma „M. Walcker-Mayer“ in Osterreich spezialisierte. Iliev gründete im Jahr 2000 und leitet eine Orgelklasse an der Akademie für Musik, Tanz und bildende Künste in Plovdiv/Bulgarien. Zahlreihe Konzerte im In- und Ausland, Europa und Afrika, sowie CD-, Radio- und TV-Aufnahmen.
Artin Poturljan (geb. 1943 in Harmanli/Südbulgarien) ist ein bulgarischer Komponist armenischer Herkunft. 1963 bis 1967 studierte er Musikpädagogik und Komposition bei Prof. Pancho Wladigerov an der staatlichen Musikakademie in Sofia. 1969 bis 1974 setzte er sein Kompositionsstudium am Konservatorium „Komitas“ in Jerewan bei Prof. Lasar Sarjan fort. Er ist Mitglied des bulgarischen Komponistenverbandes. Aufführungen seiner Musik fanden bisher in Bulgarien, Armenien, Russland, Österreich, Deutschland, der Slowakei und in Frankreich statt, darunter Autorenkonzerte in Jerewan (1978) und Sofia (1991, 2003). Sein Werk umfasst fast alle Arten der Musik - von großen Oper- und Orchesterwerken (zwei Symphonien) bis Kammermusik, Klavierquartett, Sonaten für Violine und Klavier, Solostücke für verschiedene Instrumente sowie Lieder, Chor- und Orgelwerke. Z. Zt. ist Poturljan als Professor für Kontrapunkt an der Musikakademie „Pancho Wladigerov“ in Sofia tätig. Außerdem ist er Autor verschiedener musiktheoretischer Schriften. In den vier geistlichen Gesängen für Orgel-Solo (1988) wurden Vorbilder armenischer mittelalterlicher Kunst des Sologesangs verwendet. Der größte mittelalterliche Dichter und Musiker Armeniens, Nerses Schnorhali (1101 - 1173), Katholikos der armenischen apostolischen Kirche, wird als Autor dieser Gesänge gehalten. Velin Iliev hat 1994 dieses Werk in Sofia uraufgeführt. Es folgten weitere Aufführungen in Österreich (bei Salzburg, 1996) und in Deutschland (Friedrichshafen 1997). Das Werk vermittelt den Klang der Ostkirche.
II. Panflöte - Zymbal - Orgel
Freitag, 3. September 2010, 19.30 Uhr
St. Antonius Großräschen
Doppelkonzert
Liselotte Rokyta
Liselotte Rokyta, Holland (Panflöte)
Jan Rokyta, Frydlant nad Ostravice/Tschechien (Zymbal)
Prof. Jaroslav Tůma, Prag (Orgel)
Jaroslav Tuma
Liselotte Rokyta studierte Panflöte am Konservatorium in Hilversum bei dem international berühmten Panflötisten Nicolae Pîrvu. Sie hat Masterklassen bei Gheorghe Zamfir und Simion Stanciu besucht und war häufig in Rumänien, um sich die authentische Spielweise anzueignen. 1997 hielt sie sich in Maramures (Nordrumänien) auf, um dort die bisher kaum bekannte Vokalform „Hora cu noduri“ zu erforschen. Liselotte arbeitet viel mit bekannten niederländischen Organisten zusammen, gibt Konzerte im In- und Ausland und hat außerdem zusammen mit ihrem Mann Jan Rokyta ein Zymbal-Panflöten-Duo gegründet, das ein Programm bietet, in dem klassische Musik und Weltmusik kombiniert werden. Außerdem ist sie als Panflötendozentin an der Bourdon-Hogeschool (Konservatoriumausbildung), am Konservatorium in Zwolle und an den Scholen in de Kunst in Amersfoort tätig. Im Rahmen der Aktivitäten von „Muzikale Wijnen“ hat Liselotte Rokyta im Jahr 2002 das „Wijnbrevet“ gemacht, ein national anerkanntes Examen über Weinkenntnisse. Von 2003 bis 2004 besuchte sie ein Intensivstudium an der Weinakademie in Maarn.
Jan Rokyta hat Zymbal bei Ludmila Dadáková am Konservatorium von Bratislava (Slowakei) und Blockflöte bei Walter van Hauwe am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam studiert. Er hat unter anderem in Ostrava in Tschechien mit dem Zymbalorchester „Technik“ (von seinem Vater Jan Rokyta gegründet), mit der Philharmonie von Radio Bratislava und später in den Niederlanden mit dem Schönberg-Ensemble, dem Niederländischen Bläserensemble, dem Nieuw Ensemble und dem Prometheus Ensemble (Belgien) gespielt. In den Bereichen Volks- und Weltmusik hat Jan Rokyta viel Erfahrung beim Orchester von Het Internationaal Danstheater gesammelt, in dem er von 1995 bis 2002 Mitglied war. Seit kurzem arbeitet Jan mit der bekannten jüdischen Sängerin Shura Lipovsky zusammen. Außerdem bildet er gemeinsam mit seiner Frau Liselotte Rokyta ein Zymbal-Panflöten-Duo, das ein Programm bietet, in dem klassische Musik und Weltmusik kombiniert werden. Im Rahmen der Aktivitäten für „Muzikale Wijnen“ hat Jan im Jahr 2002 das „Wijnbrevet“ gemacht, ein national anerkanntes Examen über Weinkenntnisse. Von 2003 bis 2004 absolvierte er ein Intensivstudium an der Weinakademie in Maarn. Seit Oktober 2004 ist er diplomierter „Vinologe der Weinakademie“.
Jaroslav Tůma (geb. 1956 in Prag) ist Organist, Cembalist, Klavichord- und Hammerklavierspieler. Er studierte am Prager Konservatorium bei Jaroslav Vodrážka (Orgel- und Orgelimprovisation) und an der Akademie der musischen Künste in Prag bei Milan Šlechta (Orgel) und Zuzana Ružicková (Cembalo). Darüber hinaus absolvierte er Meisterkurse unter der Leitung bekannter Organisten wie Hans Haselböck und Piet Kee. 1980 Hauptpreisträger bei den Wettbewerben für Orgelimprovisation in Nürnberg und 1986 in Haarlem. Eine reiche Konzerttätigkeit führt ihn in die meisten europäischen Länder sowie in die USA, nach Japan, in die Mongolei, nach Singapur und Südafrika. 1990 bis 1993 führte er in Prag in 21 Konzerten das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach auf und erhielt dafür den Jahrespreis einer tschechischen Musikstiftung. Konzerte für Hammerklavier, Cembalo und Klavichord. Tůma arbeitet mit einer Reihe herausragender Solisten im In- und Ausland zusammen. Bei Konzerten Zusammenarbeit mit bedeutenden Dirigenten wie Milan Munclinger, Peter Schreier oder Otaka Tadaaki. Die Diskographie von Tůma weist bereits über 50 Titel auf, überwiegend Solowerke. Dabei eine CD-Reihe mit historischen Orgeln Böhmens, die den authentischen Klang seltener Orgeln aus unterschiedlichsten Epochen von der Renaissance bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergeben. Rundfunk- und Fernsehaufnahmen im In- und Ausland. Sein Repertoire umfasst alle Stilepochen, insbesondere im Bereich der Orgel widmet er sich auch zeitgenössischen Komponisten und führt vor allem grundlegende Werke tschechischer Orgelkomponisten auf. Besonderen Wert legt er auf stilgemäße Interpretation, weiter ist ihm daran gelegen, die technischen Möglichkeiten und akustischen Vorzüge historischer Instrumente aus der böhmischen und mährischen Orgelregion zu nutzen. Tůma repräsentiert die tschechische Musik regelmäßig auf zahlreichen Festivals und in bedeutenden Konzert-reihen. Ein bedeutender Schwerpunkt seiner konzertanten Tätigkeit liegt in Orgelimprovisationen, die auf die jeweiligen Instrumente zugeschnitten sind und der Stimmung des Augenblicks entsprechen. Jaroslav Tůma ist Dozent an der musikalischen Fakultät der Akademie der musischen Künste in Prag und wird bei internationalen Orgel- und Cembalowettbewerben häufig als Jury-Mitglied angefragt, z. B. beim internationalen Musikwettbewerb Prager Frühling, beim internationalen Orgelwettbewerb in Opava 2002, beim Pachelbel-Wettbewerb in Nürnberg, dem internationalen Orgelimprovisationskurs im holländischen Haarlem und im österreichischen Schlägl. Seine Erfahrungen gibt er auch in diversen Interpretations- und Improvisationskursen im In- und Ausland weiter. Jaroslav Tůma gastierte bereits mehrfach bei den Großräschener Orgelkonzerten; Teile seiner Aufführung von Bachs „Kunst der Fuge“ wurde auf der 2000 erschienenen CD „farben“ festgehalten. Beim Orgelfestival Mixtur im Bass - Konzerte auf historischen Orgeln der Niederlausitz ist er regelmäßiger Gast. 2007 hat er für Vol. 10 „Finsterwalde und Sonnewalde“ aus der CD-Reihe Orgellandschaft Niederlausitz die Instrumente in Finsterwalde, Sonnewalde, Breitenau, Dollenchen und Göllnitz eingespielt.
Philharmonieorganist Vladimir Khomyakov, Tscheljabinsk/Russland
Vladimir Khomyakov
Aus dem Programm:
Johann Sebastian Bach (1685 - 1750): Piece d'orgue (Fantasia G-Dur) BWV 572
Vladimir Khomyakov (geb. 1960): Jazzimprovisationen (Echo Fantasia, Ostinato, Juli-Improvisation (Ballade), Hommage á Arkady Shilkloper)
Johann Sebastian Bach: Fuge G-Dur BWV 577
Vladimir Khomyakov (geb. 1960 in Moskau) studierte Klavier und Orgel am staatlichen Konservatorium (Akademie) in Odessa. 1984 erhielt er das Konzertdiplom und das Lehrzertifikat. Weitere Orgelstudien bei Piet Kee, Hans Fagius, Harald Vogel, Guy Bovet, Ludger Lohmann, Jon Laukvik, David Sanger, Peter Planyavsky u. a. Seit 1987 ist Khomyakov Organist an der Philharmonie in Tscheljabinsk im Südural. Er leitet das Musikprogramm und gibt jährlich über 50 Konzerte sowie Beteiligung an gemeinsamen Musikprojekten mit Solisten und Orchestern. Konzerte an allen bedeutenden Orgeln der früheren Sowjetunion, in Deutschland, Dänemark, Finnland, Schweden, Italien und in der Schweiz. Seit 1992 ist Khomyakov künstlerischer Direktor des Tscheljabinsker Orgelfestivals. Im November 1997 erhielt er den Ehrentitel „Verdienter Künstler Rußlands“ durch Präsident Boris Jelzin. 2001 gewann er den 1. Preis im Internationalen Orgelwettbewerb „Jazz und Kirchenorgel“ in Hannover. In der Begründung der Jury heißt es: “Sein Spiel ist innovativ, emotional packend. Er verfügt über absolute Beherrschung der Registrierung. Seine Spieltechnik ist hervorragend und er zeigt eine Originalität bei der Verwendung der Kirchenorgel.” (CD The Best Of Jazz & Churchorgan 2001). „Kriterien wie Originalität und technische Beherrschung des Instruments waren offenbar bei der Vergabe des ersten Preises wichtiger als Swing oder jazzmäßige Improvisation. Durch sein genialisch-diabolisches Spiel, die ungewöhnliche Behandlung der Register und wohl nicht zuletzt durch die charismatische Kraft seiner - bisweilen eher dem Feld der „Neuen Musik“ zuzurechnenden - Klangschöpfungen gelang es Vladimir Khomyakov aus Russland, die Jury für seine Kunst zu einzunehmen.“ (Hannoversche Zeitung 28.8.2001). „Ein Erlebnis gleichermaßen für Auge und Ohr: Vladimir Khomyakov, der als erster Preisträger des Wettbewerbs den fulminanten Abschluss des Abends markierte … Der 40-jährige Russe scheint nicht zu konstruieren, sondern Dinge einfach passieren zu lassen, sie ihrer eigenen Dynamik zu überlassen. Weniger durchgängige melodisch-thematische Arbeit als vielmehr ein expressiv-lautmalerischer Gestus war da zu hören. Diffuses Brodeln kippt plötzlich um, steigert sich zu einem eruptiven Brausen, bis der gesamte Unterarm auf die Tastatur fällt, Atempause, Momente lang. Auch hier kamen zwischendurch, wie verfremdete Zitate, Anklänge an einen Walking Bass, blitzte lakonisch eine schlichte Akkordfolge auf - aber nur als ein Steinchen im großen Mosaik. Ohne eine Zugabe ließen die begeisterten Zuhörer in der Michaeliskirche den Derwisch an der Orgel nicht gehen.” (Hildesheimer Allgemeine Zeitung 29.11.2001).