Seit 1991 findet in Großräschen ein jährlicher Orgelzyklus statt. Zunächst erklang nur die Fahlberg-Orgel in der Evangelischen Kirche am Markt. Heute ist das Zentrum der Konzertreihe die Katholische St. Antoniuskirche mit ihrer Jehmlich-Orgel von 1978.
Jedes Jahr werden Künstler aus Deutschland und dem Ausland eingeladen, um Orgel-Solo-Konzerte zu geben oder andere Instrumente im Zusammenspiel mit der Orgel erklingen zu lassen.
Fester Termin für die Konzerte in Großräschen ist seit 1991 der erste Donnerstag der Monate Mai bis Oktober. Im September findet zusätzlich das Festival OSTEUROPÄISCHE ORGELMUSIKTAGE und ein Konzert in der Dorfkirche Freienhufen statt.
Der Eintritt ist frei. Zur Deckung der Kosten wird am Ausgang nach den Konzerten eine Spende in angemessener Höhe erbeten.
Eine Liste der Künstler, die bisher bei den Großräschener Orgelkonzerten zu hören waren, finden Sie hier.
Im Mai 2010 werden die 20. Großräschener Orgelkonzerte eröffnet. Seit 1991 gab es Jahr für Jahr einen Veranstaltungszyklus in der Stadt. Wie sieht Ihre ganz persönliche Bilanz nach zwei Jahrzehnten Orgelmusik aus? Ich bin wirklich stolz, dass es meine Mitstreiter und ich geschafft haben, diese Veranstaltungsreihe in Großräschen dauerhaft zu etablieren. Dieser Erfolg war ganz am Anfang keineswegs so selbstverständlich. Doch das begeisterte Publikum hat uns Organisatoren immer wieder neuen Mut gegeben, im jeweils nächsten Jahr eine weitere Konzertreihe vorzubereiten.
Wie entstand eigentlich der Großräschener Orgelzyklus? Die evangelische Kirche am Marktplatz hatte im Jahr 1989 eine neue Orgel erhalten. Da stellte sich natürlich die Frage, wie dieses Instrument auch außerhalb der Gottesdienste genutzt werden könne. Dabei stand von Beginn an fest: Entweder wir unternehmen etwas Richtiges oder gar nichts. So wurde zwei Jahre später der erste Orgelzyklus ins Leben gerufen.
Können Sie sich noch an die erste Veranstaltung im Rahmen des Großräschener Orgelzyklus erinnern? Aber natürlich. Das war am 2. Mai 1991. Damals hatte der alte Kantor von Senftenberg, Jörg Kammer, auf der „Königin der Instrumente“ gespielt. Zudem gab es einen Gesangsauftritt. Rund 40 Besucher hatten damals den Weg in die Kirche am Markt gefunden.
Zur Jahrtausendwende kam es dann zum Umzug in die katholische Antoniuskirche. Warum? Nun, dort gibt es den Vorteil, dass die Besucher sowohl die Orgel wie auch den Organisten problemlos sehen können. Zudem ist in der Antoniuskirche das Instrument größer als in der Marktkirche. Zudem erhielt die Jehmlich-Orgel in der Antoniuskirche im Jahr 2003 durch unseren Verein zusätzliche Klangfarben. Apropos Verein: Vor zehn Jahren, und zwar zum 1. April 2000, wurde der Verein Großräschener Orgelkonzerte gegründet. Das heißt, wir feiern in diesem Jahr ein Doppeljubiläum.
Was waren für Sie die absoluten Höhepunkte bei den Orgelkonzerten? Ich kann da nur eine kleine Auswahl nennen, beispielsweise den Auftritt von Prof. Peter Planyavski, dem ehemaligen Organisten des Wiener Stefansdoms. Selbst der wohl weltbekannteste Organist, der Schweizer Guy Bovet, hat bereits in Großräschen gespielt. Mit Begeisterung erinnere ich mich noch an seine „Kirchentangos“. Er gab damals für uns ein Benefizkonzert. Legendär waren auch die beiden Konzerte mit der Orgel und den Alphörnern. 350 Besucher zwängten sich dazu in die Kirche, die nur 220 Sitzplätze bot.
Wie haben sich die Besucherzahlen im Laufe der Jahre entwickelt? In früheren Jahren kamen etwa 170 Gäste in jedes Konzert. Jetzt sind es durchschnittlich noch 120 Menschen pro Veranstaltung. Wir merken durchaus den demografischen Wandel in der Lausitz, denn besonders ältere Leute sind uns treu. Andere Veranstalter hätten wahrscheinlich bei derartigen Besucherrückgängen schon das Handtuch geworfen, wir aber nicht!
Können Sie auch jüngere Leute für Orgelmusik begeistern? Früher wurden in Großräschen Orgelkonzerte von Künstlern extra für Schüler angeboten. Diese Organisation schaffe ich aber nicht mehr. Deshalb wäre es super, wenn Musiklehrer gemeinsam mit ihren Schülern die Konzerte besuchen würden. Ich würde mich dann für eine Orgelführung bereit erklären.
Wie viel Zeit investieren Sie in die Vorbereitung der Konzerte? Das lässt sich keinesfalls in Stunden oder Tagen messen. Auf jeden Fall habe ich fast jeden Tag etwas mit den Vorbereitungen zu tun. Und alles neben meinem Beruf! Übrigens habe ich bereits im Frühjahr 2009 mit der Vorbereitung des 20. Zyklus für dieses Jahr begonnen. Ohne meine treuen Mitstreiter wie beispielsweise Dr. Daniel Sobotta, Klaus-Peter Thiele oder Albrecht Bönisch würde ich die Arbeit nicht schaffen.
Worauf dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen? Geplant sind wieder neun Konzerte. Die Eröffnungsveranstaltung findet am 6. Mai statt. Dort wartet eine „Musik für Naturtrompeten und Orgel“ auf die Gäste. Weitere Höhepunkte sind ein Konzert für Chor und Orgel mit den Thüringer Sängerknaben, ein Doppelkonzert für Panflöte, Zymbal und Orgel und die traditionelle Orgelfahrt. Dieses Jahr geht es in die Luckauer Gegend. Das Programm ist im Internet unter www.orgelklang.de zu finden. Mit Rudolf Bönisch sprach Torsten Richter.