Seit 1991 findet in Großräschen ein jährlicher Orgelzyklus statt. Zunächst erklang nur die Fahlberg-Orgel in der Evangelischen Kirche am Markt. Heute ist das Zentrum der Konzertreihe die katholische St. Antoniuskirche mit ihrer Jehmlich-Orgel von 1978.
Jedes Jahr werden Künstler aus Deutschland und dem Ausland eingeladen, um Orgel-Solo-Konzerte zu geben oder andere Instrumente im Zusammenspiel mit der Orgel erklingen zu lassen.
Fester Termin für die Konzerte in Großräschen ist seit 1991 der erste Donnerstag der Monate Mai bis Oktober. Im September findet das Festival "Osteuropäischen Orgelmusikage" statt.
Der Eintritt ist frei. Zur Deckung der Kosten wird am Ausgang nach den Konzerten eine Spende in angemessener Höhe erbeten.
Eine Liste der Künstler, die bisher bei den Großräschener Orgelkonzerten zu hören waren, finden Sie hier.
Interview mit dem Organisator Rudolf Bönisch
MSB: Die internationalen Großräschener Orgelkonzerte finden erfolgreich seit 22 Jahren statt. Was erwartet die Orgelmusik-Liebhaber 2012?
RB: Auf jeden Fall wieder ein sehr reichhaltiges Programm. Sehr beliebt sind immer wieder Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, das wir zum Eröffnungskonzert erstmals in der Fassung für Orgel und Schlagwerk präsentieren. Orgel vierhändig ist seit langen Jahren einmal wieder im Programm. Der Schwerpunkt in Großräschen liegt auf den Osteuropäischen Orgelmusiktagen Anfang September. Künstler aus Litauen, Polen und Tschechien werden mit sehr interessanten Programmen aufwarten.
MSB: Welches Konzert ist Ihr persönliches Highlight?
RB: Ich bin sehr gespannt auf das Künstlerpaar Anna und Krzysztof Firlus aus Polen, das ein in Großräschen bisher unerhörtes Programm für Orgel und Viola da Gamba bringen wird. Aber alle vorbereiteten Konzerte haben ihren Reiz, sonst wären diese nicht im Programm!
MSB: In diesem Jahr werden einige Künstler gastieren, die bereits an der Jehmlich-Orgel in der katholischen St. Antonius-Kirche Großräschen gespielt haben. Gibt es Gründe, warum diese gerne ein zweites oder drittes Mal an der Konzertreihe beteiligt sind?
RB: Das betrifft Professor Martin Schmeding aus Freiburg im Breisgau, der bereits ein Orgelkonzert gegeben hat. Und es betrifft Prof. Marek Toporowski aus Polen, der schon öfter bei uns konzertiert hat. Beide Künstler sind einfach hervorragend. Sie kann und muss man einfach immer wieder hören!
MSB: Herr Bönisch, Sie organisieren die Konzerte und sind Vorstand des Großräschener Orgelkonzerte e. V. Eine Menge Arbeit! Wie ist die zu bewältigen?
RB: Das ist eine schwierige Frage. Erstens ist die Konzertarbeit nur mit Unterstützung weiterer Vereinsmitglieder möglich. Und zweitens könnte ich immer genug Gründe finden etwas anderes zu tun. Aber mich fasziniert Orgelmusik, reizt die Vorbereitung der Konzerte und freut es, wenn Orgelfreunde von nah und fern gern ins Kirchenkonzert kommen und mit einer Bereicherung danach wieder nach Hause gehen.
MSB: Das Konzertprogramm am 04. Oktober 2012 unter dem Titel „Sax and Pipes“ bringt einige Werke zur Uraufführung. Dies ist bereits seit mehreren Jahren ein wichtiger Aspekt der Großräschener Orgelkonzerte. Warum ist Ihnen dies so wichtig?
RB: Jan Cyz, Bernd Weinreich und Ryszard Borowski werden in diesem Jahr mit neuen Stücken aufwarten. Eine Konzertreihe, die zeitgenössische Musik in ihren Programmen hat und Uraufführungen veranlasst, zeigt, dass Orgelmusik nicht nur ein Genre vergangener Zeiten ist. Orgelmusik lebt einerseits durch gute Interpretationen alter Werke und andererseits durch die Aufführung von Stücken, dessen Noten auf dem Papier noch nicht trocken sind.
MSB: 2012 findet die Großräschener Orgelfahrt bereits zum 11. Mal statt. Diese Reise zu Orgeln der Niederlausitz hat sich nicht nur unter den Orgelinteressierten aus der Region etabliert, sondern ist mittlerweile auch ein Anziehungspunkt für Orgelfreunde aus Berlin, Dresden und darüber hinaus geworden. Wohin geht es in diesem Jahr?
RB: Es ist vorgesehen einmal ganz nahe bei Großräschen zu bleiben. Die Orgeln rund um den Senftenberger See sind sehr interessant, auch wenn diese noch nicht auf einer der beliebten CDs der Reihe „Orgellandschaft Niederlausitz“ erschienen sind. Wir werden u. a. eine Jehmlich-Orgel in der Gartenstadt Brieske, eine Gebrüder Nagel-Orgel von 1890 in Großkoschen hören und eine Eilenburger Geisler-Orgel hinterm Prospekt der Werkstatt Claunigk aus Sonnewalde von ca. 1794 bewundern.