Im Mai 2010 werden die 20. Großräschener Orgelkonzerte eröffnet. Seit 1991 gab es Jahr für Jahr einen Veranstaltungszyklus in der Stadt. Wie sieht Ihre ganz persönliche Bilanz nach zwei Jahrzehnten Orgelmusik aus? Ich bin wirklich stolz, dass es meine Mitstreiter und ich geschafft haben, diese Veranstaltungsreihe in Großräschen dauerhaft zu etablieren. Dieser Erfolg war ganz am Anfang keineswegs so selbstverständlich. Doch das begeisterte Publikum hat uns Organisatoren immer wieder neuen Mut gegeben, im jeweils nächsten Jahr eine weitere Konzertreihe vorzubereiten.
Wie entstand eigentlich der Großräschener Orgelzyklus? Die evangelische Kirche am Marktplatz hatte im Jahr 1989 eine neue Orgel erhalten. Da stellte sich natürlich die Frage, wie dieses Instrument auch außerhalb der Gottesdienste genutzt werden könne. Dabei stand von Beginn an fest: Entweder wir unternehmen etwas Richtiges oder gar nichts. So wurde zwei Jahre später der erste Orgelzyklus ins Leben gerufen.
Können Sie sich noch an die erste Veranstaltung im Rahmen des Großräschener Orgelzyklus erinnern? Aber natürlich. Das war am 2. Mai 1991. Damals hatte der alte Kantor von Senftenberg, Jörg Kammer, auf der „Königin der Instrumente“ gespielt. Zudem gab es einen Gesangsauftritt. Rund 40 Besucher hatten damals den Weg in die Kirche am Markt gefunden.
Zur Jahrtausendwende kam es dann zum Umzug in die katholische Antoniuskirche. Warum? Nun, dort gibt es den Vorteil, dass die Besucher sowohl die Orgel wie auch den Organisten problemlos sehen können. Zudem ist in der Antoniuskirche das Instrument größer als in der Marktkirche. Zudem erhielt die Jehmlich-Orgel in der Antoniuskirche im Jahr 2003 durch unseren Verein zusätzliche Klangfarben. Apropos Verein: Vor zehn Jahren, und zwar zum 1. April 2000, wurde der Verein Großräschener Orgelkonzerte gegründet. Das heißt, wir feiern in diesem Jahr ein Doppeljubiläum.
Was waren für Sie die absoluten Höhepunkte bei den Orgelkonzerten? Ich kann da nur eine kleine Auswahl nennen, beispielsweise den Auftritt von Prof. Peter Planyavski, dem ehemaligen Organisten des Wiener Stefansdoms. Selbst der wohl weltbekannteste Organist, der Schweizer Guy Bovet, hat bereits in Großräschen gespielt. Mit Begeisterung erinnere ich mich noch an seine „Kirchentangos“. Er gab damals für uns ein Benefizkonzert. Legendär waren auch die beiden Konzerte mit der Orgel und den Alphörnern. 350 Besucher zwängten sich dazu in die Kirche, die nur 220 Sitzplätze bot.
Wie haben sich die Besucherzahlen im Laufe der Jahre entwickelt? In früheren Jahren kamen etwa 170 Gäste in jedes Konzert. Jetzt sind es durchschnittlich noch 120 Menschen pro Veranstaltung. Wir merken durchaus den demografischen Wandel in der Lausitz, denn besonders ältere Leute sind uns treu. Andere Veranstalter hätten wahrscheinlich bei derartigen Besucherrückgängen schon das Handtuch geworfen, wir aber nicht!
Können Sie auch jüngere Leute für Orgelmusik begeistern? Früher wurden in Großräschen Orgelkonzerte von Künstlern extra für Schüler angeboten. Diese Organisation schaffe ich aber nicht mehr. Deshalb wäre es super, wenn Musiklehrer gemeinsam mit ihren Schülern die Konzerte besuchen würden. Ich würde mich dann für eine Orgelführung bereit erklären.
Wie viel Zeit investieren Sie in die Vorbereitung der Konzerte? Das lässt sich keinesfalls in Stunden oder Tagen messen. Auf jeden Fall habe ich fast jeden Tag etwas mit den Vorbereitungen zu tun. Und alles neben meinem Beruf! Übrigens habe ich bereits im Frühjahr 2009 mit der Vorbereitung des 20. Zyklus für dieses Jahr begonnen. Ohne meine treuen Mitstreiter wie beispielsweise Dr. Daniel Sobotta, Klaus-Peter Thiele oder Albrecht Bönisch würde ich die Arbeit nicht schaffen.
Worauf dürfen sich die Besucher in diesem Jahr freuen? Geplant sind wieder neun Konzerte. Die Eröffnungsveranstaltung findet am 6. Mai statt. Dort wartet eine „Musik für Naturtrompeten und Orgel“ auf die Gäste. Weitere Höhepunkte sind ein Konzert für Chor und Orgel mit den Thüringer Sängerknaben, ein Doppelkonzert für Panflöte, Zymbal und Orgel und die traditionelle Orgelfahrt. Dieses Jahr geht es in die Luckauer Gegend. Das Programm ist im Internet unter www.orgelklang.de zu finden.
Tomasz Slusarczyk und Stanislaw Majerski, Krakau/Polen (Natur- und Piccolotrompeten); Anna Firlus, Breslau/Polen (Orgel)
Die drei polnischen Künstler begeisterten das Publikum in der voll besetzten St. Antoniuskirche.
Großräschener begeistert barockes Musik-Feuerwerk
Der 20. Großräschener Orgelmusikzyklus ist mit einem furiosen Auftaktkonzert in sein Jubiläumsjahr gestartet.
von Torsten Richter
Die polnische Künstlerin Anna Firlus an der Jehmlich-Orgel sowie die beiden Trompeter Tomasz Slusarczyk und Stanislaw Majerski präsentierten dem Publikum in der St. Antonius-Kirche mitreißende Musik aus der Barockzeit. Die gut 150 Gäste dankten den Musikern mit einem tosenden, minutenlang anhaltenden Applaus. „Wenn die Orgel die Melodie vorgibt und die Trompeten kurz danach einsetzen, bekomme ich eine Gänsehaut. Das ist richtig ergreifend“, sagte Brigitte Lückmann noch sichtlich gerührt. Die Brieskerin war zu den Klängen des Fanfaren-Rondeaus des französischen Komponisten Jean-Joseph Mouret (1682 - 1738) mit der Musik körperlich regelrecht mitgegangen. „Ich kann da nicht stur auf meinem Platz sitzen bleiben“, begründete sie. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sich die Seniorin schon lange auf dieses Konzert gefreut. Peter Lückmann, der vor allem durch seine Aktivitäten bei den Sedlitzer Bergfreunden bekannt ist, „outete“ sich als „absoluter Fan von Bachtrompeten“. „Diese ganz alten Klänge sind einfach wunderbar“, so Lückmann. In seiner Jugend habe der Briesker selbst in die Fanfare geblasen und das Geigespielen erlernt.
Wunderbare Klänge
Zum „Stammpublikum“ des Großräschener Orgelzyklus gehört die in der IBA-Stadt lebende Familie Suckow. „Wir sind langjährige Zuhörer. Diese alte Musik erfreut uns immer wieder. Jedes Mal staune ich über die wunderbaren Klänge“, resümierte Alfred Suckow, der gemeinsam mit seiner Frau Doris zum Konzert gekommen war. Die alten Instrumentenbauer würden in Deutschland noch zu wenig gewürdigt, erklärte der 77-Jährige. Extra aus Cottbus nach Großräschen gereist waren Eva Metzner und Ute Dietrich. „Ich spiele selbst an der Orgel, bevorzugt Werke von Bach. Deshalb ist es ein großer Genuss, heute den barocken Klängen zu lauschen“, erzählte Eva Metzner. Die 70-jährige Pfarrerstochter zählt sich ebenfalls zu den Stammgästen der Großräschener Orgelkonzerte: „Ich bin seit zehn Jahren dabei.“ Auch ihre Freundin Ute Dietrich ist musikalisch vorgebildet. Nach jahrzehntelanger Pause spiele sie jetzt wieder Klavier. „Aber die Orgel klingt noch ein Stück erhabener“, wusste die 71-Jährige aus ihrer langen Erfahrung.
Sehr nettes Publikum
Zum ersten Mal an der Großräschener Jehmlich-Orgel spielte die aus Oberschlesien stammende Künstlerin Anna Firlus. „Die Orgel hat eine sehr schöne Stimme, und das Publikum ist sehr nett“, resümierte die 28-Jährige nach dem zweistündigen Konzert. Bereits zum zweiten Mal in der St. Antoniuskirche zu Gast war Trompeter Thomasz Slusarczyk. „Die Akustik ist beeindruckend. Und die Großräschener verbreiten eine so warme Stimmung“, befand der Musiker, der hauptberuflich im Krakauer Rundfunkorchester spielt. Gemeinsam mit seinem „Kollegen“ Stanislaw Majerski („Großräschen ist eine sehr nette, gepflegte Stadt“) und Anna Firlus will Slusarczyk bald wieder in die Niederlausitz kommen. Mit seinen musikalischen Leistungen habe sich das polnische Trio auf jeden Fall für einen erneuten Auftritt empfohlen“, wertete Konzertorganisator Rudolf Bönisch.
In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Senftenberg am 12.05.2010.
Intrada aus Tschenstochau auf den Starck-Trompeten des 17. Jahrhunderts.
Zwei Trompeten und Orgel.
Nach 120 Minuten Barockmusik.
Brillantes Orgelspiel war von der jungen polnischen Organisten Anna Firlus zu hören.
Nach dem Konzert: Naturtrompeten und die Jehmlich-Orgel.
4. Juni 2010: Alte Orgelmusik aus Italien
An der Jehmlich-Orgel: Prof. Gabriele Catalucci, Amelia in Umbrien/Italien
Erstmalig in Großräschen: Prof. Gabriele Catalucci
Vor knapp 100 Besuchern aus nah und fern erklang alte Orgelmusik aus Rom.
Auch der italienische Opernstil war zu hören.
Catalucci spielte auf Großräschener Orgel
Ein bewegendes Orgelkonzert gab es am vergangenen Freitag in der St. Antoniuskirche zu Großräschen.
Erstmalig in den 20 Jahren dieser internationalen Musikreihe saß Prof. Gabriele Catalucci aus Italien auf der Orgelbank an der Jehmlich-Orgel. Vor annähernd 100 Besuchern machte er den gar nicht so abwegigen Versuch auf dem Instrument des 20. Jahrhunderts, Musik des 17. und 18. Jahrhunderts zu spielen. Ausschließlich italienische Werke von Frescobaldi, Rossi, Pasquini, Zipoli und Scarlatti standen auf dem Programmzettel. Der Versuch gelang.
Im zweiten Teil erklangen dann Orgelwerke aus der großen Zeit der italienischen Oper, die den völlig anderen, ausdrucksstarken Musikstil der Zeit des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll zeigten. Mit einem Stück von Petrali bedankte sich der Künstler aus dem romantischen Städtchen Amelia in der Provinz Umbrien für den lang anhaltenden Applaus als Ausdruck für den gelungenen Orgelabend.