Am Ostermontag, 13. April 2009, spielte Jaroslav Tůma aus Prag an den Orgeln der Dorfkirche Zerkwitz (15.00 Uhr), der kath. Pfarrkirche St. Maria Verkündigung (17.00 Uhr) und der Nikolaikirche Lübbenau (19.00 Uhr) ein Orgelwandelkonzert.
Anlass waren die vier Komponistenjubiläen im Jahr 2009. So erklangen Werke von Adolf Friedrich Hesse (zum 200. Geburtstag), Felix Mendelssohn Bartholdy (zum 200. Geburtstag), Joseph Haydn (zum 200. Todestag) und Georg Friedrich Händel (zum 250. Todestag).
Jaroslav Tuma an der Hartig-Orgel in Zerkwitz.
Adolph Hesse
Felix Mendelssohn Bartholdy
Georg Friedrich Händel
Joseoph Haydn
Beim Konzert mit Werken von Mendelssohn in der kath. Kirche St. Maria Verkündigung Lübbenau.
Imposantes Werk mit zarter Klangfarbe
Ein musikalisches Geschenk ist den über 300 Liebhabern von Orgelmusik am Ostermontag in den Kirchen von Lübbenau und Zerkwitz überreicht worden. Prof. Jaroslav Tuma aus Prag spielte innerhalb von vier Stunden auf drei verschiedenen Kirchenorgeln. Das Publikum war vom virtuosen Spiel des tschechischen Organisten begeistert.
Von Bernd Marx
„Dieses Orgelwandelkonzert mit dem Prager Organisten ist der Auftakt der diesjährigen Konzerte“, sagte der Lübbenauer Rudolf Bönisch, Organisator der Veranstaltungsreihe Orgellandschaft in der Niederlausitz, zur Begrüßung in der Zerkwitzer Kirche. Das war das Startsignal für einen musikalischen „Mehrkampf“ von Jaroslav Tuma. Innerhalb von nur vier Stunden zeigte der Virtuose sein Können an den Orgeln der Zerkwitzer Dorfkirche, der katholischen Kirche „St. Maria Verkündigung“ in der Lübbenauer Neustadt und in der evangelischen Kirche St. Nikolai in der Altstadt.
„Ich freue mich, dass ich den Orgelfreunden auf drei Instrumenten ein besonderes musikalisches Erlebnis bieten kann“, so der 52-Jährige, der die von nah und fern angereisten Liebhaber für Orgelmusik nicht enttäuschte. Der international renommierte Organist brachte in der Zerkwitzer Kirche Werke von Adolph Friedrich Hesse (1809-1863), dessen 200. Geburtstag die Musikwelt in diesem Jahr begeht, dem Publikum zu Gehör. „Es ist ein imposantes Werk mit zarter Klangfarbe“, stellte Jiri Kocourek aus Bautzen nach dem Auftaktspiel fest. Der 42-jährige Orgelbauer zeigte großes Interesse für das über 150 Jahre alte Musikinstrument. Zahlreiche Fotos machte auch Wolfram Hackel an diesem Nachmittag. „Man spürt und hört den schlesischen Einschlag“, so der Dresdner. Zu den jüngsten Zuhörern gehörte Philipp Heim aus Friedersdorf bei Lohsa. „Seit meinem vierten Lebensjahr interessiere ich mich für Orgeln“, erzählte der Zehnjährige, der bereits das Spiel auf dem großvolumigen Musikinstrument beherrscht.
An der Orgel in der voll besetzten katholischen Kirche „St. Maria Verkündigung“ zog Prof. Tuma alle Register. Es standen Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) auf dem Programm. Viel Applaus erntete er auch für den Hochzeitsmarsch zu Shakespeares Sommernachtstraum. „Diese Aufführung hat mir ausgezeichnet gefallen“, bemerkte Kantor Andreas Jaeger aus Lübbenau. Dieser Meinung schloss sich auch Johannes Mönnikes aus Berlin an: „In diesem Kirchenschiff kommt die romantische Musik zur Geltung.“
Tastatur, Spielhilfen, Manuale, Register und Pedale beherrschte Prof. Tuma auch an der Orgel in der Nikolaikirche, wo die Musikfreunde Werke von Joseph Haydn (1732-1809) und Georg Friedrich Händel (1685-1759) in musikalischer Perfektion hörten. „Die weite Anreise hat sich wirklich gelohnt. Ich bin von den Konzerten begeistert“, sagte Dr. Reinhard Möller. Der Hamburger Chirurg ist passionierter Orgelfreund und scheute die 500 Kilometer lange Anreise zu diesem österlichen Ohrenschmaus nicht.
In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Lübbenau am 15.4.2009, S. 11.
Orgelklänge im Spreewald
Von Ingrid Hoberg
Neben den vielen Genüssen, die zum Osterfest dazugehören, hat die Arbeitsgemeinschaft Orgellandschaft Niederlausitz/Großräschener Orgelkonzerte Musikfreunden ein besonderes Erlebnis geboten. Zum ersten Mal wandelten die Zuhörer von Kirche zu Kirche und genossen an drei Orten unterschiedliche Klangerlebnisse. So verschieden wie die Instrumente sind, bieten die Zerkwitzer und die beiden Lübbenauer Kirchen ganz unterschiedliche Klangräume. Jaroslav Tuma aus Prag gelang es, variantenreiche Klangfarben lebendig werden zu lassen. Nach diesem gelungenen Auftakt ist es den Organisatoren um Rudolf Bönisch zu wünschen, dass ihnen auch bei den folgenden Konzerten das musikinteressierte Publikum treu bleibt. Bereits zum 19. Mal finden die Großräschener Orgelkonzerte statt, die auch in den Spreewald ausstrahlen. Ein bemerkenswert langer Atem, den die Vereinsmitglieder bisher hatten - und den sie hoffentlich auch weiter haben werden.
In: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Lübbenau am 15.4.2009, S. 11.
Kleine Orgelfahrt
am 11. Juli 2009
Kleine Orgelfahrt machte Halt in Saalhausen
Mehr als 60 Orgelinteressierte haben am vergangenen Wochenende eine kleine Orgelfahrt unternommen. Organisiert wurde die Veranstaltung im Rahmen der Göllnitzer Dorfkirchenkonzerte unter Leitung von Pfarrer Werner Hainsch.
Die Orgelliebhaber fuhren mit dem Fahrrad oder dem Auto zu drei Kirchen und deren Orgeln. Die Fahrt begann in Wormlage und wurde in Saalhausen fortgesetzt. Die ausführlichen Erläuterungen zu den Kirchen und Orgeln gab Albrecht Bönisch aus Leipzig, Sachverständiger für die Orgeln in der Niederlausitz. Jeweils im Anschluss an die Kirchen- und Orgelführungen spielte der junge Herzberger Organist Christopher Lichtenstein, Orgelstudium in Leipzig und Wien, zwanzigminütige Konzerte. Während in Wormlage kleine Charakterstücke von Sigfrid Karg-Elert erklangen, waren in Saalhausen Werke von Johann Sebastian Bach zu hören.
Ebenfalls wurde am vergangenen Sonnabend zu einem weiteren Orgelabend der Reihe „Mixtur im Bass – Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz“ eingeladen. Erstmals fand in diesem Rahmen ein Konzert in der Henriettenkirche zu Annahütte statt. Es spielte der tschechische Meisterorganist Frantisek Vanicek. Für sein Konzert mit Stücken von Bartholdy, Brahms, Boell mann, Widor und der „Fanfare“ von Lemmens erntete er von den zahlreichen Besuchern viel Applaus.
Die Kirchen in Wehnsdorf, Walddrehna, Wüstermarke und Langengrassau sind am Samstag Ziel einer geführten Fahrrad-Exkursion gewesen. 30 Neugierige nahmen an der Tour teil, die regelmäßig vom Förderkreis „Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz“ organisiert wird.
„Die Kirchen in den Dörfern sind Kleinode, weil sie noch in ihrer alten, ursprünglichen Form erhalten geblieben sind. Altäre, Taufsteine und andere Details der Innenausstattung stammen aus der Zeit vor der Reformation. Darunter sind echte Raritäten“, erklärt Sieglinde Schaffer aus Elsterwerda. Zum dritten Mal radelt sie bei der geführten Kirchenradtour mit. Unter dem Motto „Unsere Kirche muss im Dorf bleiben“ habe sich die Kirchengemeinde gemeinsam mit den Einwohnern von Wehnsdorf in Eigeninitiative im Jahr 2000 an die Trockenlegung des Gotteshauses gemacht, berichtet die Kirchenälteste Brigitte Hoffmann. „In über 400 Arbeitsstunden wurden rund 200 Kubikmeter Erde vom Kirchhof abgetragen, neue Fundamente für die Anbauten errichtet und ein Fußweg angelegt“, erzählt sie. Einen Meter hoch hatte sich das Erdreich im Verlauf der Jahrhunderte an den Außenwänden der Kirche abgelagert. „Belüftungsfenster sorgten für die Austrocknung. Auch innen wurden die Wände saniert und neu verputzt.“ Anschließend seien die Fenster sowie die Anbauten saniert worden. „Die Arbeiten wurden zum größten Teil von der Kirchengemeinde finanziert. Mit einem Zuschuss der Gemeinde Heideblick war es möglich, die Decke mit der Malerei zu restaurieren“, erklärt Brigitte Hoffmann. Das Uhrwerk der Kirchturmuhr sei vom Wehnsdorfer Winfried Käbe wieder funktionstüchtig gemacht worden. Als Zeugnis der Ortsgeschichte ist es in der Kirche zu betrachten. In den nächsten Jahren wollen die Wehnsdorfer den Altar und das Gestühl restaurieren. Auch die Orgel liegt in Einzelteilen verpackt auf dem Boden. „Sie stammt aus dem Jahr 1851 und ist 40 Jahre nicht bespielt worden“, ergänzt Orgelexperte Albrecht Bönisch. „Diese Eigeninitiative ist bewundernswert“, sagt die Berlinerin Wilma Gohrke. Es zeige, wie stark sich die Menschen ihrer Kirche als einem Teil der Ortsgeschichte verbunden fühlten. Baugeschichtliche Details über die Kirche in Walddrehna vermittelt Architekturstudent Thomas Krause. Das Bauwerk sei im 13. Jahrhundert als einfacher, rechteckiger Kirchenbau errichtet und während der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert zerstört worden. Der Wiederaufbau sei im gotischen Stil erfolgt. Die jüngste Untersuchung des Holzes der Eingangstür habe das Jahr 1471 als Entstehungsjahr ergeben, so Krause. Einmalig in der Region sei die Turmkonstruktion mit den drei Spitzbogenarkaden, die auf zwei gemauerten Rundpfeilern aufgesetzt wurden und so eine offene Vorhalle bildeten, erläutert Thomas Krause. „Vermutlich hat die Kirche früher eine Rolle als Pilgerkirche am Jacobsweg gespielt. Denn Pilgerkirchen zeichnen sich durch besondere Vorhallenkonstruktionen aus“, erklärt er. Ein Lied zum Abschluss der Kirchenvisite begleitet Albrecht Bönisch auf der Orgel. „Radfahren, Kirchen besichtigen und Orgelmusik hören, das ist toll“, sagt die Berlinerin Karin Römisch, die erstmals bei der Kirchenradtour dabei ist.