An drei Orten und drei Orgeln erklang ein Benefizkonzert zu Gunsten der Kirchhainer Voigt-Orgel mit Prof. Jaroslav Tůma (Prag). In der Stadtkirche St. Marien in Kirchhain, der katholischen Kirche St. Bonifatius und Elisabeth und der Klosterkirche Doberlug kam tschechische Orgelmusik zur Aufführung. Im Zentrum standen Improvisationen über die Themen des großen Werkes von Bedrich Smetana: Mein Vaterland.
Bedrich Smetana: Ma Vlast - Mein Vaterland.
Prof. Tuma am Spieltisch der Voigt-Orgel.
Nach dem Wandelkonzert vor der Klosterkirche.
Verschenktes Heimatland
Großes Orgelwandelkonzert zu Gunsten der Kirchhainer Voigt-Orgel
Im Wandern durch die Natur drückte sich das Lebensgefühl der Romantiker am Stärksten aus. Was bietet sich also für die Aufführung romantischer Musik besser an als ein Wandelkonzert. Und genau das konnten die Liebhaber der Orgelmusik am Samstag in Doberlug-Kirchhain erleben. Als Benefizkonzert für die Restaurierung der Kirchhainer Stadtkirchen-Orgel verschenkte der tschechische Ausnahme-Organist Jaroslav Tůma musikalische Eindrücke aus seinem Heimatland. Er spielte auf drei Orgeln in den drei Kirchen der Stadt Doberlug-Kirchhain Musik aus zweihundert Jahren tschechischer Musikgeschichte. Im Zentrum standen dabei Orgel-Improvisationen über Bedřich Smetanas großartige sinfonische Dichtung „Mein Vaterland“.
Die Kirchhainer Stadtkirche bildete die erste Station des Wandelkonzertes. Tůma eröffnete seine Improvisationen an der historischen Voigt-Orgel von 1920 mit dem Eingangssatz „Vyšehrad“ aus Smetanas Nationalzyklus. Bildhaft beschrieb er durch eine lockere Verknüpfung von musikalischen Gedanken und Melodien die Schönheit der tschechischen Landschaft. Stein für Stein ließ er vor dem geistigen Auge der Zuhörer die erste Prager Burg auf dem schroffen Felsen über der Moldau entstehen. Eine mittelalterliche Tanzszene und Ritterkämpfe entsprangen der farbenreichen Improvisation, in der Tůma neben der Betonung der hervorragenden klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes nicht darauf verzichtete auch auf die restaurierungsbedürftige Situation der Orgel hinzuweisen.
An der Eule-Orgel von 1975 in der katholischen Kirche St. Bonifatius und St. Elisabeth - der zweiten Station des Wandelkonzertes - verarbeitete Tůma das Material der Sätze „Šárka“ und „Tábor“. Hier verflocht er Mythos und Historie seines tschechischen Heimatlandes durch die speziellen Möglichkeiten am kleinsten und jüngsten Instrument des Konzerttages. Das Netz der lockeren Querbezüge, das Smetana zwischen den Sätzen seiner sinfonischen Dichtung, die bis heute die tschechische Nationalmusik prägt, geflochten hat, wurde durch das Spiel des Organisten nicht nur künstlerisch ausgereizt, sondern noch auf vielfältige Art und Weise erweitert. Tůma verknüpfte nicht nur die musikalischen Motive des sechsteiligen Werkes sondern zog auch eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Instrumenten und reizte deren technische Möglichkeiten aus.
Den Höhepunkt des Konzerttages bildete das filigrane und technisch versierte Spiel des international gefeierten Organisten an der Sauer-Orgel (1874) in der Klosterkirche St. Marien Doberlug. In den Sätzen „Aus Böhmens Hain und Flur“ und „Blaník“ zeichnete er die faszinierend schöne Landschaft Böhmens. Jenseits eines pathetisch-pompösen Nationalismus hob er den poetischen Gehalt des Werkes hervor und übersetzte die romantisch stilisierte Landschaftsdarstellung als bewussten Umgang mit der heimatlichen Natur.
Mit einem ironischen Blick sah der Organist in seiner Improviation auf den bekanntesten Teil des Smetana-Zyklus „Die Moldau“. Aus der einfachen Melodie eines Kinderliedes heraus entwickelte er die berühmten Moldau-Motive und brachte das Wandelkonzert so zu einem feierlichen und durchaus humorvollen Abschluss. Die Aufführung weiterer tschechischer Werke, unter anderen der Komponisten Antonín Dvořák, Leoš Janáček und Bedřich Antonín Wiedermann, komplettierten die Improvisationen. Tůmas Interpretation dieser unterschiedlichen Orgelliteratur überzeugte durch sein differenziertes sowie umsichtiges Spiel und zeigte so die breite Vielfalt der Musik unseres Nachbarlandes. Zudem sorgte die Lesung mehrerer Gedichte Reiner Kunzes über seine intensiven tschechischen Eindrücke für den literarischen Brückenschlag.
Auch für das Wohlgefühl zwischen den Teilen des ökumenischen Orgelwandelkonzertes hatten die drei Gemeinden in Doberlug-Kirchhain gesorgt. In jeder Kirche wurde man herzlich begrüßt und mit Kaffee und Kuchen am Nachmittag sowie einer Bratwurst zum Abschluss bestens verpflegt. Die Einnahmen des Orgelwandelkonzerts sollen helfen die Voigt-Orgel in der Stadtkirche St. Marien in Kirchhain zu reparieren und restaurieren - ein ehrgeiziges und finanziell aufwändiges Projekt mit dem Ziel die Originaldisposition von 1920 wiederherzustellen. In mehreren Bauabschnitten soll das großartige dreimanualige Instrument wieder in allen seinen originalen Klangmöglichkeiten spielbar gemacht werden.
Die zahlreich aus nah und fern angereisten Konzertbesucher zeigten sich begeistert. Frau Charlotte Schröder ist dazu extra aus Berlin gekommen: „Es hat sich gelohnt nach Doberlug-Kirchhain zu fahren. Solche wunderbaren Orgeln haben wir in Berlin nicht!“ Und auch die Kirchhainer Wandelkonzert-Teilnehmer zeigen sich stolz: „Unsere Orgel klingt jetzt schon großartig. Wie schön wird sie erst sein, wenn sie dann restauriert ist.“ Das gelungene Konzert ist aber vor allem dem Organisten Jaroslav Tůma zu verdanken. Wer ihn schnellstmöglich wieder erleben will muss einen weiten Weg auf sich nehmen: „In ein paar Tagen spielt er in Prag, in einer Woche in Belgien, dann in Japan und anschließend in den USA“,sagt Organisator Rudolf Bönisch. Erst Anfang August kommt er zu den Konzerten des internationalen Orgelfestivals „Mixtur im Bass“ wieder in die Niederlausitz. Dann wird er auf den Orgeln in Lauta bei Senftenberg, Göllnitz bei Finsterwalde und auf der großen historischen Donat-Orgel in Luckau u. a. Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“ spielen.
vonMargarete Bönisch, Berlin
9. Juli 2011: Kleine Orgelfahrt
Claudia und Andreas spielten an den Orgeln in Massen, Finsterwalde-Süd und in der Kath. Kirche Finsterwalde. Die Gästen wurden von Albrecht Bönisch zur Geschichte der Kirchen und Orgeln informiert. Die Orgelfahrt endete mit Kaffee und Kuchen, sowie dem großen Orgelkonzert der Reihe "Mixtur im Bass" mit Michal Markuszewski an der Sauer-Orgel in der Trinitatiskirche.
Zu Besuch bei Königinnen
Dem Klang von gleich vier Orgeln bei einem Termin gelauscht
Nicht umsonst wird die Orgel als Königin der Instrumente bezeichnet. Ist es doch eines der ältestenten, der teuersten und der größten Instrumente. Nicht zu vergessen die majestätische Erscheinung und die unglaubliche Klangvielfalt. Gleich drei dieser „Königinnen“ wurden bei einer Orgelrundfahrt, organisiert Pfarrer Werner Hainsch i.R., besucht. Eigentlich waren es vier, wenn die Veranstaltung der Reihe „Mixtur im Bass“ in der Trinitatiskirche mitgezählt wird. Der erste Treffpunkt war die Dorfkirche in Massen, wo es von Albrecht Bönisch Interessantes zur Kirche und zur Orgel zu erfahren gab. Die Bausubstanz weist darauf hin, dass die Kirche einmal dreischiffig war und als Basilika bezeichnet werden konnte. Es ist für eine Dorfkirche einzigartig und bis heute nicht nachvollziehbar, warum in Massen eine Basilika gebaut wurde. Heute ist nur noch das Mittelschiff übrig. Die Orgel, übrigens nicht die Erste, hat eine „komplizierte“ Geschichte. Sie wurde 1821 von der Christoph Schröther gebaut, von Nikolaus Schrickel erweitert und umgebaut und in den 60er Jahren durch die Firma Sauer im Klang verändert. „50 Jahre wurde nur geflickt, jetzt bedarf es einer größeren Reparatur“, so die Pfarrerin Marlen Reinke. So wurde während der Orgelfahrt um eine Kollekte zugunsten der Massener Orgel gebeten. Andreas Jaeger spielte im Anschluss unter anderem Werke von Beethoven und Telemann. Die zweite Station war die Katholische Kirche in Finsterwalde, die 1906 eingeweiht und von 1988 bis 1995 umgebaut wurde und die neueste Orgel in der Niederlausitz besitzt, die im Jahr 2005 von der Firma Voigt aus Bad Liebenwerda gebaut wurde und ganz anders klingt als die in den Dorfkirchen. Den Abschluss bildete die Kirche in Finsterwalde Süd. Vieles erinnert an die Kirche in Massen aber es gibt auch Unterschiede. Das Gehäuse der Orgel wurde von Christoph Schröther gebaut, nach derzeitigen Erkenntnissen ist dies wahrscheinlich sein Erstlingswerk. Das was klingt stammt von der Firma Sauer. Nachdem Andreas Jaeger die Orgel in Massen und Claudia Jaeger die Voigt-Orgel in der Katholischen Kirche zum Klingen brachten, spielten sie gemeinsam zum Abschluss auf der Sauer-Orgel in Nehesdorf das Sück „Ein ländliches Hochzweitsfest“ von Franz Berwald, der übrigens nur dieses eine Orgelwerk komponierte. Viele der etwa 35 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zum Abschluss das Konzert in der Reihe „Mixtur im Bass“ mit Michal Markuszewski in der Trinitatiskirche zu besuchen.
In: Blickpunkt 21.07.2011.
In der Massener Kirche.
In der katholischen Kirche Finsterwalde.
Kantorenehepaar Jaeger an der Orgel in Finsterwalde-Süd.
Pfr. i. R. Werner Hainsch organisierte die Kleine Orgelfahrt.
Vor den Orgelklängen gab es Erklärungen zur Kirche mit Albrecht Bönisch.
23. Juli 2011: Kirchenradtour
Die Dorfkirchen nordwestlich von Luckau: Pitschen-Pickel, Krossen, Jetsch. Den Abschluss bildete das Orgelkonzert der Reihe "Mixtur im Bass" in der Dorfkirche Zieckau.
Abfahrt am Bahnhof Uckro.
In Pitschen.
Regionale Kulturgeschichte vielfältig erlebt
Einblicke in Zeitzeugnisse regionaler Kulturgeschichte, verbunden mit Orgelklängen und entspanntem Landschaftserlebnis hat die Kirchenradtour am Samstag geboten. Ziele der geführten Exkursion des Förderkreises „Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz“ waren diesmal die Gotteshäuser in Pitschen-Pickel, Krossen und Jetsch. In Zieckau fand sie mit einem Konzert der Reihe „Mixtur im Bass“, dargeboten von der polnischen Organistin Anna Firlus, ihren Abschluss.
Für Renate und Hermann Beland aus Berlin-Lichterfelde ist die Kirchenradtour immer wieder ein Erlebnis. „Wir genießen jedes Jahr die Fahrt durch die Landschaft. Abseits vom Autoverkehr führte sie auch diesmal wieder über eine wunderbare Strecke zu den schönen alten Kirchen mit ihrer Jahrhunderte langen Geschichte“, schwärmte Hermann Beland. Das spezielle Interesse des Ehepaars gilt den Orgeln in den Dorfkirchen. Hier konnten sie am Samstag eine klangliche Vielfalt erleben, die von der Romantik in Pitschen-Pickel über die Moderne in Krossen bis zum Barock in Zieckau reichte.
„Der Klang in Krossen hatte schon eine erschreckende Schärfe“, stellte Renate Beland fest. Den Grund dafür erläuterte der Orgelsachverständige Albrecht Bönisch. Das Instrument sei 1970 von der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke in schlichtem Stil gebaut worden. „Auch der Klang sollte modern sein, und so bringt sie einen hellen scharfen Ton hervor“, erläuterte der Fachmann. Beim gemeinsamen Gesang wurde dieser zwar etwas abgemildert, war für die Zuhörer dennoch ungewohnt. Details zur Baugeschichte und Ausstattung der im 15. Jahrhundert begründeten und 1745 grundlegend erneuerten Kirche erläuterte die Vorsitzende des Förderkreises, Annegret Gehrmann. 1996 habe die Kirchengemeinde in Eigenregie den Dachstuhl und das Dach saniert, ergänzte der Kirchenälteste Karl-Heinz Schober. „Vorher hatten wir bei Sturm immer Probleme mit wegfliegenden Ziegeln. Jetzt sind sie gut befestigt“, nannte er den Grund.
An der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Kirche in Jetsch wies Annegret Gehrmann auf die in jüngster Zeit wechselvolle Geschichte der Turmhaube hin. Nach 1985 erfolgte im Jahr 2007 eine erneute Sanierung einschließlich neuer Abdeckung aus Zinkblech. Zwei Jahre später habe hier der Blitz eingeschlagen, was nochmals eine Reparatur von Holzkonstruktion und Haube erforderte. Im Jahr 2009 habe die Kirchengemeinde die barocken Fenster denkmalgerecht sanieren lassen, ergänzte sie.
Die gleichfalls im 14. Jahrhundert errichtete Zieckauer Kirche sei 1945 von sowjetischen Soldaten als Pferdestall genutzt worden, erläuterte Lothar Treder-Schmidt. Alles Vorhandene sei entfernt worden. Die heutige Ausstattung stamme aus der einstigen Luckauer Hospitalkirche, erklärte er. Die gleichfalls von dort umgesetzte Glietsch-Orgel (1842) passe gut zum Kirchenraum und sei mit großem Engagement der Kirchengemeinde wieder in Ordnung gebracht worden, so Schober.
Seit 16 Jahren veranstalte diese in Zieckau Konzerte und Liederabende. Im Detail brachte Albrecht Bönisch Besonderheiten des Instruments vor dem Konzert nahe. „Die Kombination von Natur und Kultur auf dieser Radtour finde ich ganz toll“, sagte Gisela Lemm begeistert. „Die Kirchen sind für mich in einem überraschend guten Zustand. Die Patronatswappen und den typischen Kanzelaltar habe ich hier kennengelernt“, war die Berlinerin erfreut.
„Wir haben heute eine Ecke der Region entdeckt, die wir noch nicht kannten“, sagte der Lübbener Gerhard Gröke. Die thematische Radtour sei ein guter Beitrag dazu, diese alten Kirchen ins Blickfeld zu rücken, damit sie als Zeugnisse der Kulturgeschichte erhalten bleiben, fügte seine Frau Dagmar an.