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Für Entdecker

Orgellandschaft Niederlausitz Vol. 1 bis Vol. 10

Von Wieland Meinhold

Gelegentlich trifft man in Deutschland auf Gegenden, denen ein unbeschreiblicher Zauber innewohnt. Die Niederlausitz zwischen deutsch-polnischer Grenze, Guben, Forst, Spremberg, Luckau und dem Schwielochsee mit dem Zentrum Cottbus, den berühmten Spreewaldorten Lübben und Lübbenau ist ein solches Refugium. In jenem Teil Brandenburgs ist auch die einzigartige Orgellandschaft eine Reise wert. Wer die Fahrt scheut, darf sich einer auf inzwischen zehn Produktionen angewachsenen CD-Reihe Orgellandschaft Niederlausitz erfreuen. Die Gesamtleitung und Konzeption liegt in den Händen Rudolf Bönischs. Vorgestellt werden 66 Instrumente in 57 Orten (Interpreten: Gunter Kennel, Lothar Knappe, Marek Toporowski, Jaroslav Tuma und Frantisek Vanicek). Um es vorwegzunehmen: Dieser Aufnahmezyklus setzt Maßstäbe. Bereits die äußere Präsentation verrät eine geschmackvolle Handschrift. Sowohl die Gestaltung der Booklets, als auch die Gliederung der Texte, Fotomotive und der einzelnen Dispositionen sind mit sachkundigen Kommentaren versehen. Dabei hat sich der Autor (Albrecht Bönisch) auch an die diffizile Erforschung überholungsbedürftiger und kaum erforschter Instrumente gewagt, um organologische Rückschlüsse zu ziehen.

Zur graphischen Verdeutlichung hat man sich mittels eines dezenten, schwarzweißen Frieses ein „Band“ einfallen lassen, dass dem Betrachter eine Fahrt durch die Region (Blick auf Ort und Kirche) suggeriert.

Die Produktionen wurden zwischen September 2001 und November 2007 realisiert. Lediglich mit einem Mikrophon hat Tonmeister Knut Becker ohne kosmetische Beschönigungen den Klang überzeugend eingefangen.

Spannend dabei ist für den Sammler die Tatsache, dass einige Instrumente sowohl vor als auch nach der Restaurierung dokumentiert sind (z. B. Sauer-Orgel in der Klosterkirche Doberlug auf. Vol. 1). Überhaupt verblüfft die Vielfalt von Orgelbauern historischer (vorwiegend 19. Jahrhundert) und neuer Bauten: Neben denen aus der Region W. Sauer, Fam. Schröther und Claunigk, Hartig, Voigt, Roth, Morgenstern sind auch Berliner und schlesische Firmen vertreten. Hier kommen A. Schuke, Gebrüder Dinse sowie Heinze (Sorau) in den Blick. Randerscheinungen: die sächsischen Werkstätten Eule und Jehmlich und einzelne wie Gast, Uibe, Schrickel, Arendt, Lang, Heinitz (Schreibweise ist inzwischen autorisiert), Donat, Glietsch und Schulze (Crossen).

Vielseitigkeit wird durch kluge Musikauswahl ergänzt: Anders als in den traditionellen Orgelländern Thüringen und Sachsen sind Einflüsse aus den Nachbarregionen dokumentiert. So sind aus Berlin (Otto Dienel) und Breslau, Gleiwitz und Brieg (Max Brosig, Adolph Friedrich Hesse, Richard Wetz und Max Drischner) vertreten, Bach & Söhne, Walther, Krebs, Kuhnau, Liszt (Einspielung einer seltenen Version von Präludium über „Weinen, Klagen“ in der Bearbeitung des Merseburger Domorganisten A. Winterberger), Grabner, Hoyer, aber auch Italiens und Frankreichs Orgelkultur, polnische und böhmisch-tschechische Komponisten finden Einklang.

Der Wohlklang der Instrumente überrascht, spürt man doch deutlich, dass sich die Organisten der Einspielungen zuvor von der Seele der jeweiligen Orgel überzeugt haben, bevor sie behutsam an Auswahl des Repertoires und Aufnahme traten. Beispielsweise entfalten sich einzelne Register (wie die durchschlagende Klarinette in der romantischen Orgel von Altdöbern, der man schnell verfallen ist!) ideal in der Solitude von Astor Piazzolla (Vol. 5).

Überhaupt könnte für Leser und Hörer von Interesse sein, dass sich in der (Nieder)Lausitz noch eine Reihe solide restaurierter romantischer Orgeln entdecken lässt, in ihrer Ansammlung und Dichte eine erfreuliche Besonderheit. Insgesamt eine runde, sehr zu empfehlende Reihe!


In: „Musik & Kirche“ Juli/August 2009, Nr. 4, Seiten 300 - 301 (Bärenreiter)

*) Fehlerhafte Namensschreibungen sind in dieser Abschrift korrigiert (R. B.)



 

Orgellandschaft Niederlausitz. Vol. 9: Im Spreetal bei Spremberg. Vol. 10: Finsterwalde und Sonnewalde.
Frantisek Vanicek, Jaroslav Tuma, Orgel.


Von Herbert Glossner


Die nicht hoch genug einzuschätzende orgel- und landschaftshistorische Initiative braucht nicht mehr ausführlich vorgestellt zu werden (vgl. Ms 2/2007, S. 140). Denn auch die beiden neuen Folgen bieten wieder viel hörenswerte Literatur auf Kostbarkeiten des Orgelbaus. Von Spremberg (in drei Kirchen!) über Groß Luja und Groß Döbbern bis Hornow werden ausschließlich Instrumente der berühmten Orgelbaufirma Sauer (Frankfurt/Oder) vorgestellt - eine Huldigung an deren 150-jähriges Jubiläum 2007. Die Komponisten sind sämtlich aus dem 20. Jahrhundert, zwischen gemäßigter Moderne (Langlais, Peters, Micheelsen) und Avantgarde (Margriet Ehlen, *1943). Vanicek setzt die unterschiedlich original erhaltenen, restaurierten Registerfarben einfühlsan ein, unter anderem auch mit Werken tschechischer Landsleute, voran des großen Petr Eben.
Ebenfalls aus Tschechien stammt Jaroslav Tuma, der mit Bach ("Christ, der du bist der helle Tag") und J. G. Walther beginnt, um dann eigene Werke und meist solche von Komponisten seines Landes zu interpretieren. Das Programm, liebevoll erläutert von Albrecht Bönisch, orientiert sich an der Spannung der Ortsnamen Finsterwalde - Sonnewalde, Nacht und Tag. Eine originelle Idee, die auch Max Drischner mit seinem Sonnenhymnus (1926), einer Passacaglia E-Dur (Schuke-Orgel in Sonnewalde von 1910), einbezieht. In fünf Orten stehen die sieben Instrumente mehrerer Firmen, drei allein in Finsterwalde, davon zwei von Sauer und in St. Maria Mater Dolorosa die neueste Orgel der Niederlausitz vom Mitteldeutschen Orgelbau A. Voigt (2005). Deren Stimmen führt Tuma in einer seiner choralgebundenen Improvisationen prächtig vor.
Die beispielhaften Begleithefte, wieder mit exzellenten Farbfotos von Prospekten, Kirchen und künstlerischen Details, machen Lust auf die weiteren klingenden Folgen.
Interpretation - 5 von 5 Punkten
Technik - 5 von 5 Punkten

In: Musca Sacra 2/2009, S. 142.






 

„Der bekannte Berliner Organist Lothar Knappe stellt alle sieben Orgeln mustergültig vor.“ - „Besonders überzeugend klingen vor allem die drei kleinen Orgeln des 19. Jahrhunderts in den Dorfkirchen mit ihren wunderbar charakteristischen, intimen Klangfarben, interessant auch dadurch, weil Aufnahmen solcher Instrumente selten sind.“ - „Insgesamt ist die CD ein wohlgelungener und vielversprechender Start für eine acht CDs umfassende Reihe zur Orgellandschaft Niederlausitz - eine gute Empfehlung für Orgelfreunde.“
(Jiri Kocourek in „Ars Organi“ Heft 3, 9/2003)

„Besonders reizvoll wird die CD durch Knappes Ehrgeiz, die Seele von jedem Instrument auszuloten.“ - „Mit der CD ist für Musik- und Orgelliebhaber ein außergewöhnliches Ergebnis entstanden.“ - „Zu den positiven Überraschungen gehört das musikwissenschaftlich wie heimatgeschichtlich informative und optisch gut aufgemachte Booklet.“
(Jürgen Weser in „Lausitzer Rundschau“ vom 23.11.2002)

„Hier springt die Spielfreude des Interpreten mit den erstaunlich frischen, bald auch wieder kammermusikalisch intimen Klängen buchstäblich ins Wohnzimmer über.“
(Holger Höring in „Der Regionalanzeiger“ vom 12.12.2003)

„Acht Orgeln, die unter den Händen des Landeskirchenmusikdirektors Gunter Kennel zur Höchstform auflaufen und weihnachtliche Melodien in neuen Dimensionen erklingen lassen.“ (Janet Neiser in „Märkische Oderzeitung“ vom 25.11.2003)

„Zweifellos bildet den Höhepunkt der Aufnahmen die keine Wünsche offenlassende Interpretation der großen a-Moll Sonate über das „Magnifikat“ von J. G. Rheinberger.“ (Holger Höring in „Der Regionalanzeiger“ vom 12.12.2003)

„Schönstes Beispiel von Heimatliebe ist die CD-Reihe „Die Orgellandschaft Niederlausitz“. Da kommen in 8 Folgen Instrumente von ganz eigenem Charakter zu Gehör, dazu ausgesuchte Literatur, passend zu den jeweiligen Orgelstilen. Rheinbergers 4. Sonate über den Tonus peregrinus auf der Sauer-Orgel von 1906 in der Stiftskirche St. Marien zu Neuzelle ist ein vollendeter Genuss, reif eingespielt vom LKMD Gunter Kennel.“
(Rainer Goede in www.kirchmusik.de ab 22.1.2004)

„Diese CD wird durch eine überaus große Fülle an musikalisch motivierten Klangvorstellungen, durch eine genau den Instrumenten angepasste Literaturauswahl und eine an den Grundsätzen der historischen Spielweise geschulte Interpretation ausgezeichnet.“ (Elke Lang, 12/2003, unveröff.)

„Eine Reihe von Komponisten der hier souverän und sicher eingespielten Werke sind jahrelang gar nicht oder sehr selten in der Öffentlichkeit zu hören gewesen.“
(Holger Höring in „Der Regionalanzeiger“ vom 12.12.2003)

„Lag bei den ersten zwei Folgen schon der Vergleich einer Orgelreise oder -fahrt nahe, so wird dieser Eindruck jetzt verstärkt.“ - „Die verstärkenden Dimensionen dieses Raumes (die Schinkelkirche in Straupitz) lassen die Orgel größer als tatsächlich erscheinen, obwohl der eigentliche Reiz hier mehr in geschickten Einzelregistrierungen in Äquallage zu suchen ist, als im großen Raum (Tutti). Stellvertretend sei hier das „Ave Maria“ von F. Liszt angeführt.“
(Holger Höring in „Der Regionalanzeiger“ vom 16.1.2004)