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RÜCKBLICK UND PRESSESTIMMEN 2009
 



 

Die Orgelmusikreihe "MIXTUR IM BASS - Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz" hat im vergangenen Jahr 2009 in 15 Kirchen des Gebietes zwischen Doberlug und Neuzelle rundum den Spreewald wieder ein sehr interessiertes Publikum erreicht. Mit dem fotografischen Rückblick [878 KB] dankt die Organisation den Besuchern für die Nutzung der sich durch Vielfalt und Farbenfreunde auszeichnenden Konzertreihe sowie den Mitveranstaltern, Unterstützern und Künstlern für ihr großes Engagement bei der Vorbereitung und Umsetzung. Gleichzeitig wünschen wir allen Freunden von "MIXTUR IM BASS" ein gesundes und gesegnetes neues Jahr 2010 und hoffen, dass es mit dem Niederlausitzer Orgelfestival im kommenden Sommer auch ein an Orgelmusik reiches Jahr wird.

Rudolf Bönisch, Lübbenau (Spreewald)


 

1. MIXTUR IM BASS - Wochenende
Klettwitz
Breitenau
Lübben
2. MIXTUR IM BASS - Wochenende
Lauta-Dorf
Annahütte
Krugau
3. MIXTUR IM BASS - Wochenende
Groß Muckrow
Langengrassau
Frankena
4. MIXTUR IM BASS - Wochenende
Dollenchen
Zieckau
Straupitz
5. MIXTUR IM BASS - Wochenende
Waltersdorf
Hornow
Neuzelle


1. Mixtur im Bass - Wochenende 2009

Konzert in der Dorfkirche Klettwitz am 26. Juni 2009
mit Michal Markuszewski, Warschau/Polen

Mit der obligatorischen Kirchen- und Orgelführung wurde der Orgelzyklus MIXTUR IM BASS 2009 in der Dorfkirche Klettwitz eröffnet. Passend zur Sauer-Orgel von 1906 spielte der polnische Organist Michal Markuszewski europäische Musik der Romantik.



 

Bartholdy-Klänge in Klettwitz

In der Klettwitzer Dorfkirche ist am Freitagabend das diesjährige Orgelfestival „Mixtur im Bass - Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz“ eröffnet worden. Der Gastorganist Michal Markuszewski beeindruckte die Zuhörer in der Kirche.


Der Warschauer Künstler präsentierte vor vielen von nah und fern angereisten Musikfreunden ein umfangreiches Konzertprogramm auf der Orgel des preußischen Hoforgelbaumeisters Wilhelm Sauer aus dem Jahr 1906. Dazu gehörten Kompositionen der Früh- und Hochromantik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Liszt und Johannes Brahms. Im zweiten Teil erklangen spätromantische Stücke von polnischen Komponisten aus dem 20. Jahrhundert. „Die Orgel ist klein, aber sehr fein“, resümierte der Organist Markuszewski.

Vor dem Konzert gab es jedoch erst einmal eine Führung durch die mittelalterliche Kirche, die 1906 stark umgebaut und erweitert wurde. Martin Konzag vom Gemeindekirchenrat in Klettwitz berichtete aus der Geschichte des Gotteshauses. Zur klanglichen Vorstellung der einzelnen Orgelregister füllte sich die Orgelempore mit vielen Besuchern, die noch nie eine Orgel von Nahem gesehen haben. Auf Wunsch eines Konzertfreundes aus Hoyerswerda führte Michal Markuszewski das Pedalspiel vor, also das Orgelspiel allein mit den Füßen.

Der Künstler erhielt viel Applaus für diese Präsentation und noch viel mehr für sein Konzert, das er mit einer großartigen Improvisation über einen Kirchenchoral abschloss. Sonnabend spielte er in Breitenau bei Finsterwalde und Sonntag in Lübben.

Rudolf Bönisch


In: Lausitzer Rundschau 29.06.2009.


 

Bei der Orgelführung. Der Gastorganist Michal Markuszewski an der Sauer-Orgel in Klettwitz.




 

Der weithin sichtbare Kirchturm. In unmittelbarer Nähe zum Eurospeedway Lausitz wurde die Konzertreihe eröffnet.




 

Michal Markuszewski. 




 

Konzert in der Dorfkirche Breitenau am 27. Juni 2009
mit Michal Markuszewski, Warschau/Polen


 

In Breitenau an Schrickelorgel Mixtur im Bass

Breitenau. Bereits eine Stunde vor dem Konzert an der 1881 von Nikolaus Schrickel aus Eilenburg erbauten Orgel waren über 40 Interessierte in Breitenau und erlebten eine Führung durch das altehrwürdige Gemäuer der Dorfkirche. Rudolf Bönisch erläuterte fachkundig Details zum Kirchbau mit Holzturm und den mittelalterlichen Fresken.

Zunächst gehörte die am Anfang des 14. Jahrhunderts als Rechteckbau geschaffene Kirche zum Kloster Dobrilugk, dann zur Herrschaft Drehna (Fürstlich Drehna). Ursprünglich war die heutige Eingangstür, deren Holz noch aus der Bauzeit stammt und die gotische Beschläge aufweist, nur für den Pfarrer gedacht. Der Eingang für die Gemeinde war an der Nordseite. Selbst Theodora Schober, die seit ihrer Geburt 1931 gegenüber der Kirche wohnt, war fasziniert, was sie alles Neues von ihrem Sakralbau erfuhr: „So genau hab ich mir das Gotteshaus noch nie angesehen.“
Christoph Maaß aus Krugau hinter Lübben nutzt seit vier Jahren das Angebot der Konzertreihe Mixtur im Bass. „So kenne ich inzwischen 40 bis 50 Kirchen und ihre Orgeln in unserer Heimat. Ich finde es Spitze, dass Rudolf Bönisch hier mit Spitzenorganisten einige Orgeln aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.“
Nun aber zur Musik: Michal Markuszewski, 1980 in Warschau geboren, verdeutliche eindrucksvoll den Klangumfang dieses Kleinodes der Orgelbaukunst. Er stellte die fünf klingenden Register einzeln und im Zusammenspiel vor, bevor die Besucher die Treppe erklommen und sich das Instrument aus der Nähe betrachteten. Hier wurden, einzigartig für die Niederlausitz, gedrechselte Holzpfeifen eingebaut, hob Bönisch hervor. „Der Raumgröße angemessen wurde eine Disposition verwirklicht, die sowohl die zentralen romantischen Farben in den Grundstimmen bereitstellt, als auch eine kräftige Prinzipalregistrierung ermöglicht.“
Aus dem Tabulaturbuch des Heilig-Geist-Klosters in Krakau von 1548 wurde dann aufgespielt. Es folgte Musik aus dem 16. und 17. Jahrhundert und auch Bach- und Mozartklänge ließen Meister Michal Markuszewski bravourös durch das alte Kirchenschiff klingen.

Mario Sanders

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Finsterwalde. 30.06.2009.


 

Breitenau leitet seine Gäste zur Kirche. 




 

Die voll besetzte Dorfkirche. An der Schrickel-Orgel spielte Michal Markuszewski.




 

Orgelmusik angesichts mittelalterlicher Fresken. Die seltenen erhaltenen Wandmalereien bildeten das einmalige Ambiente für das Konzert.




 

Alte Wandmalereien sehen und Musik aus polnischen Tabulaturen hören.




 

Bei der Kirchenführung in Breitenau. 




 

Ein gelungener Abschluss. Das Konzert in Breitenau wird mit einem Volksliedersingen abgerundet.




 

Bratwurst, Bier und Beisammensein nach dem Konzert in Breitenau.




 

Konzert in der Paul-Gerthardt-Kirche Lübben am 28. Juni 2009
mit Michal Markuszewski, Warschau/Polen

Auf der hochromantischen Schuke-Orgel an der Wirkungs- und Begräbnisstätte des berühmten Liederdichters, dessen Namen die Kirche trägt, spielte wieder der junge polnische Organist Michal Markuszewski.


 

Organist Michal Markuszewski spielt in der Lübbener Kirche

Lübben. Die große romantische Orgel in der Lübbener Paul-Gerhardt-Kirche steckt voller Geheimnisse. Einige sollten bei einem Konzert gelüftet werden, das der Warschauer Organist Michal Markuszewski im Rahmen des Internationalen Orgelfestivals „Mixtur im Bass“ gegeben hat.

Mehr als 80 Hörer sind beim Konzert dabei gewesen. „Diese wunderschöne große Orgel hat Alexander Schuke aus Potsdam anno 1906 als 38. Werk seines Unternehmens gebaut“, so Festival-Organisator und Orgel-Kenner Rudolf Bönisch. Aber der strahlende Orgel-Prospekt ist vom Züllichauer Orgelbaumeister Ludwig Hartig bereits im Jahr 1846 errichtet worden.

Erste Orgel im Jahr 1666

Die Schuke-Orgel also im Prospekt der Vorgänger-Orgel? Um das Verwirrspiel noch größer zu machen, auch dies: Die allererste Orgel in der Lübbener Nikolaikirche, in der Paul Gerhardt predigte, schuf der Senftenberger Christian Schechner schon 1666 und kurz danach. Die war allerdings technisch so mangelhaft, dass Reparaturen häufiger an der Tagesordnung waren als der Gesang von Liedern Paul Gerhardts in der damaligen Zeit.
Wie viele Reparaturen und Umbauten die Orgel erlebte, das konnten die Sachverständigen bei der Führung zur Königin der Instrumente auch nicht sagen. Die Lübbener Schuke-Orgel mit vielen Wurzeln und der letztendlichen Rettung als eine der wenigen Instrumente mit romantischer Stimmung im Land Brandenburg verdankt dem brandenburgischen Orgelbaumeister Christian Scheffler alles. Er übernahm die grundlegende Restaurierung und übergab der Paul-Gerhardt-Gemeinde im Jahr 1997 ein Kleinod, das selbst musikalische Könner zu schätzen wissen. Einer saß am Sonntag auf der Orgelbank: Michal Markuszewski aus Warschau.

Preisgekrönter Organist

Der 29-Jährige ist selbst Kantor in einer evangelisch-reformierten Kirchengemeinde in Warschau und hat nach seinen Studien in Polen und Deutschland bei internationalen Wettbewerben Preise erspielt. So erhielt er eine Auszeichnung des Danziger Stadtpräsidenten für die beste Interpretation von Werken Johann Sebastian Bachs. Michal Markuszewski ließ es sich nicht nehmen, selbst in fließendem Deutsch die Musikfreunde mit den Klangmöglichkeiten der Lübbener Orgel vertraut zu machen.
In seinem fast 75 Minuten währenden Konzert hatte er überwiegend Werke ausgewählt, die der romantischen Stimmung des Lübbener Instrumentes entgegen kamen. Die Komponisten – sieht man von Mendelssohn Bartholdy und seinem spannungsgeladenen Präludium mit der nicht weniger fulminanten Fuge in c-Moll und drei Orgelwerken von Brahms ab – waren wohl für die meisten eine Entdeckung. Der dänische Großmeister Gade, der fast vergessene Bach-Freund und Dresdner Kreuzkantor Homilius, der holländische Komponist und Vertraute Albert Schweitzers Gerhard Bunk und der polnische Komponist Surzynski waren mit höchst unterschiedlichen musikalischen Werks-Interpretationen vertreten.
Der junge Organist gab ein vergnügliches Konzert voller innerer Spannung in seinem differenzierten Spiel. Donnernden Applaus des Publikums gab es nicht nur zum Schluss, sondern auch für sein fulminant-ausgewogenes Spiel der Introduktion und der Passacaglia d-Moll von Max Reger.

Detlev Simsch

In: Lausitzer Rundschau 30.06.2009.


 

Michal Markuszewski mach die Konzertbesucher bei der Orgelführung mit dem romantischen Instrument in Lübben bekannt.




 

Während der Kirchenführung in Lübben 




 

Interessierte Konzertbesucher im Altarraum, der sich seit der Zeit Paul Gerhardts kaum verändert hat.




 

Während des Konzertes. 




 

Der Organist. 




2. Mixtur im Bass - Wochenende 2009

Konzert in der Dorfkirche Lauta am Freitag, 10. Juli 2009
mit KMD Prof. Matthias Eisenberg, Zwickau


Jubiläums-Konzert in Lauta-Dorf

Mucksmäuschenstill war es in der evangelischen Kirche von Lauta-Dorf am Freitag lange Zeit: Im Rahmen der Reihe „Mixtur im Bass – Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz“ hatte Kirchenmusikdirektor Professor Matthias Eisenberg (z. Zt. Zwickau) am Spieltisch der über 200 Jahre alten Orgel Platz genommen.

Lediglich zwischen den einzelnen Passagen wagte man es, sich mal zu bewegen oder gar zu räuspern. Sonst wurde voller Spannung gelauscht.

Das Programm für diesen Abend hatte Matthias Eisenberg selbst zusammengestellt. Im Mittelpunkt standen Komponisten, die 2009 ein Jubiläum zu feiern hätten – seien es nun der 350. Geburtstag von Henry Purcell und der 250. Todestag von Georg Friedrich Händel als die Vertreter des Barock oder die 200. Geburtstage von Adolph Friedrich Hesse und Felix Mendelssohn Bartholdy als die Repräsentanten der romantischen Orgelmusik. Joseph Haydn vertrat die Wiener Klassiker, er starb vor 200 Jahren.

„Matthias Eisenberg spielt ein Konzert pro Jahr in dieser Reihe“, leitete Rudolf Bönisch das Konzert ein. [...]

Doppelte Schönheit


Gerd Schneidewind aus Berlin wusste im Vorfeld, was ihn erwarten würde: „Wir haben Matthias Eisenberg bereits in Leipzig erleben dürfen. Außerdem reizt uns die Schönheit der Dorfkirchen, also haben wir uns auf den Weg gemacht.“

Die Werke, die Professor Eisenberg ausgewählt hatte, stammten aus einer Zeit, in der die Orgelmusik eher eine Randerscheinung war und im Schaffen der genannten Komponisten nur als Nebenprodukte auftauchten. Ja, wenn sie und der Organist von heute sich damals schon gekannt hätten, wäre es vielleicht anders gekommen ...

Geradezu leichtfüßig und tänzelnd bearbeitete Professor Eisenberg das Manual und die Bass-Pedale mit einem Feuerwerk an Anschlägen. Er verbreitete Frühlingsstimmung und schickte einen Triller nach dem anderen durch die Pfeifen der Königin der Instrumente. Diese unterstützte ihn durch ihre einst solide angefertigte Mechanik.

„Ich bin erstaunt über das Durchhaltevermögen unserer alten Orgel“, kommentierte später die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Sigrid Roeser. Selbst das Kirchengebäude unterstützte das behände Spiel: Bedingt durch die räumliche Enge des kleinen Kirchenschiffes fehlt Nachhall, wie er etwa in der Hoyerswerdaer Johanneskirche zu hören ist. Der würde den Organisten zu einer langsameren Intonation zwingen – und andernfalls schnelle Tonfolgen zu einem unschönen Brei vermischen.

Zugabe „Ein' feste Burg“

„Es ist einfach nur schön, was aus unserer Orgel so herauszuholen ist. Ich bin absolut begeistert“, zeigte sich Hannelore Weber nach dem Konzert stark beeindruckt. Dabei kennt sie die Orgel besser als Eisenberg, denn sie ist die Organistin der Kirchengemeinde. „Sie leistet hervorragende Arbeit, verbindet Fantasie mit Originalität“, zollte ihr Pfarrer Norbert Krüger Anerkennung.

Eisenberg hatte indes sein fast 90minütiges Konzert per Zugabe beendet. Von einem Gast war eine Variation des lutherischen „Ein' feste Burg ist unser Gott“ (ca. 1529) gewünscht und vom Künstler einfallsreich umgesetzt worden – würdig des „Meisters der Improvisation“.

Nach dem Konzert waren die Zuhörer dann nicht mehr so still: Eisenberg hatte zahlreiche Hände zu schütteln, Fragen zu beantworten und Autogramme zu geben, währenddessen sich der Nachwuchs an den Spieltisch der Orgel setzte.

Bernd Hannemann

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Hoyerswerda 13.07.2009.


 

Die Geissler-Orgel in Lauta-Dorf. 




 

Konzerterlebnis der Extraklasse

Wie schon in den vorangegangenen Jahren bestritt der schwergewichtige Starorganist Prof. Matthias Eisenberg am Freitagabend ein Konzert der internationalen Orgelreihe an historischen Orgeln der Niederlausitz. Weit mehr als 300 Besucher erlebten ihn während der „Mixtur im Bass“ an der Geisslerorgel von 1882 der St. Laurentiuskirche von Lauta-Dorf.

Der in Schneeberg bei Zwickau lebende Organist hat zur Lausitz eine enge Verbindung. „Ich habe zehn Jahre meines Lebens in Elstra verbracht. Da ist es für mich keine Frage, dass ich die Aktivitäten in der Niederlausitzer Orgellandschaft unterstütze“, sagt Matthias Eisenberg. Er ist einige Zeit vor seinem Konzert in Lauta-Dorf angereist, fand das Ambiente der Dorfkirche „St. Laurentius“ sofort anheimelnd und wurde auch, wie er versicherte, von der Orgel nicht enttäuscht. „Es ist eine entzückende kleine Orgel, die sich wunderbar in das ganze Ambiente der ‚St. Laurentiuskirche' einfügt. Die Verantwortlichen sollten sich aber zu Herzen nehmen, dass die ihnen anvertraute Orgel ein wertvolles Kleinod darstellt, das restaurierungsbedürftig ist“, meint der Orgelstar.

Über Grenzen gegangen

Was er dann während des Konzertes aus dem Instrument herausholte, hat die Orgel sicherlich seit ihrer Fertigstellung noch nicht erlebt. Er ließ es kaum einen Zuhörer merken, dass das Instrument während seines Konzertes an seine Grenzen stieß. Er spielte Orgelstücke von Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Adolph Friedrich Hesse und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Vor dem Orgelkonzert von Matthias Eisenberg stellte Albrecht Bönisch, einer der Organisatoren der „Mixtur im Bass“, die von Conrad Geissler aus Eilenburg, im Jahr 1882 geschaffene Orgel vor. Diese Orgel besaß einen Vorgänger, die von Johann Gotthold Claunigk aus Sonnewalde 1794 geschaffene Orgel. Von ihr ist heute noch der spätbarocke Orgelprospekt erhalten.

Glocke für einen Heiligen

Pfarrer Norbert Krüger ließ es sich nicht nehmen, die Besucher zu einer Kirchenführung einzuladen. Genaues sei über die Zeit der Kirchenerbauung nicht bekannt, erzählte er. Sie sei etwa um 1450 entstanden und aus eiszeitlichen Findlingen erbaut. In einem hölzernen Turm hängt eine dem Heiligen Laurentius geweihte Glocke.

Heinz Hirschfeld

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Senftenberg 13.07.2009.


 

Orgelsachverständiger Albrecht Bönisch erläutert die Orgel.




 

Matthias Eisenberg am Spieltisch. 




 

Während des Konzertes. 




 

Die Zugabe: "Ein feste Burg"-Improvisation. 




 

Die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates bedankt sich blumenreich beim Künstler.




 

Kleine Orgelfahrt am 11. Juli 2009

Mit Fahrrädern oder Auto konnten die Besucher an einem Tag vier verschiedene Instrumente kennen lernen - drei während der Kleinen Orgelfahrt, gespielt von Christopher Lichtenstein, und eine weitere im anschließenden MIXTUR IM BASS-Konzert.

Begonnen wurde mit der pneumatischen Heinze-Orgel in der Dorfkirche Wormlage, die hochromantische Orchestralität aufweist. Es erklangen Werke von S. Karg-Elert. Die zweite Station war die Sauer-Orgel in Saalhausen, die noch mechanisch angesteuerte Kegelladen hat und mit der gravietätischen, aber klaren Intonation sogar Werken J. S. Bachs (Präludium und Fuge Es-Sur aus der "Orgelmesse") entgegen kommt. Die dritte Station war in der Dorfkirche Sallgast. Auf der Orgel der schlesischen Firma Schlag & Söhne erklangen Werke von J. G. Rheinberger.

Nach der Sallgaster Orgelvorstellung wurde zu einer Kaffeetafel eingeladen, bevor man die Fahrt zum MIXTUR IM BASS-Konzert nach Annahütte antreten konnte.


 

Die 1. Station: Christopher Lichtenstein an der Heinze-Orgel in Wormlage.




 

Die 2. Station: Saalhausen und die Sauer-Orgel mit Musik von J. S. Bach.




 

Die 3. Station: Während des kleinen Konzertes an der Schlag & Söhne-Orgel in Sallgast.




 

Mit dem Fahrrad von Konzert zu Konzert

Orgelmusik hat eine große Bedeutung in der Niederlausitz. Das zeigte sich wieder am Wochenende bei der kleinen Orgeltour. Organisiert wurde die Tour erneut von Werner Hainsch von der Göllnitzer Kirchenmusik.

Bereits vor zwei Jahren führte eine ähnliche Orgeltour durch die Gegend. Im letzten Jahr startete die Orgeltour in Doberlug-Kirchhain und Umgebung. In diesem Jahr startete man sogar landkreisübergreifend in Wormlage. Bereits zur ersten Station waren viele Interessierte erschienen. In der historischen Kirche zu Wormlage wurden die Gäste zunächst mit interessanten Informationen versorgt. Danach durfte erstmals der Musik gelauscht werden. Der 25-jährige Christopher Lichtenstein intonierte auf der spätromantischen Orgel 17 kleine Charakterstücke von Sigfrid Karg-Elert.

Bei gutem Wetter fiel den Tourbesuchern auch die Strecke nach Saalhausen nicht schwer. Dort wurde ein für den Kenner ungewöhnliches Programm gespielt, mit Stücken aus dem „Dritten Theil der Clavier Übung“ von Johann Sebastian Bach. „Normalerweise würde man barocke Musik nicht auf einer romantischen Orgel spielen, aber die Orgel in Saalhausen ist am ehesten in der Machart der Bach'schen Zeit und eignete sich dafür sehr gut“, erklärte der Meisterorganist Lichtenstein.

Weiter ging es auf der Orgeltour dann in den Elbe-Elster-Kreis hinein. In Sallgast wurde die letzte Station der Orgeltour aufgeschlagen. Außerdem betrat man in Sallgast die älteste Kirche der Tour aus dem Mittelalter. Diesmal spielte der Organist mit Musik von Josef Rheinberger wieder für auf die Orgel passende hochromantische Klänge. Wie bei den anderen Stationen dauerte das gespielte Programm rund zwanzig Minuten.

Es folgte der gemütliche Teil der Orgeltour mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken. Die Frauen vom Gemeindehaus Sallgast hatten für die rund 50 Besucher Kuchen gebacken, sodass für die Orgelbegeisterte Gruppe Zeit war ein Resumé zu ziehen. „Es ist schön, dass die Orgeltour so angelegt ist, dass man sie von Ort zu Ort mit dem Fahrrad begleiten kann“, erklärte Elke Semsch, die mit ihrem Lebensgefährten Kurt Rothe mit dem Fahrrad unterwegs war. Woher die Faszination für das Orgelspiel kommt, war für Elke Semsch leicht herausgefunden. „Meine Schwiegermutter spielte rund vierzig Jahre lang in Wormlage die Orgel. Außerdem beginnt meine Enkeltochter jetzt mit dem Orgelspielen. Das Interesse wird also auch in Zukunft bleiben“, erzählte Elke Semsch.

Auch der Organist zeigte sich erfreut. „Die Orgeltour bietet einen recht lockeren Rahmen, um Orgelmusik zu hören. Das ist nicht immer bei Orgelkonzerten der Fall. Man hat damit eine wunderbare Sache in der Region geschaffen“, meinte der gebürtige Herzberger. Herbert Burchhardt aus Frankfurt/Oder arbeitet bereits seit der Wende mit Organisator Werner Hainsch zusammen. „Die Orgelmusik in der Niederlausitz hat eine lange Tradition, daher ist es wirklich förderlich, dass solche Touren angeboten werden und diese dann auch von Meistern ihres Fachs gespielt werden. Das bringt doch einige Menschen aus den Dörfern dazu, sich mal wieder mit ihrer Kirche und Geschichte auseinander zu setzen und vielleicht entdecken auch junge Menschen wieder die Orgelmusik“.

Zwar war die Orgeltour in Sallgast beendet, aber ein besonderes Schmankerl stand den Orgelinteressierten noch bevor. In Annahütte stand ein Konzert aus der Reihe „Mixtur im Bass“, organisiert von Rudolf Bönisch, bevor. Zwar nahmen nicht alle Tourteilnehmer den Weg nach Annahütte auf sich, dafür durfte man sich vorab auf eine kleine Führung durch die Kirche von Annahütte freuen. Im Anschluss gab Frantisek Vanicek ein Konzert für die gefüllte Kirche. Damit ging bei großem Applaus ein vollauf gelungener Nachmittag für die Orgelbesucher zu Ende.

Paul Marwitz

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Finsterwalde 16.07.2009.


 

Der Organist Christopher Lichtenstein stellte eindrucksvoll die unterschiedlichen Instrumente auf der kleinen Orgelfahrt vor.




 

Konzert in der Henriettenkirche Annahütte am 11. Juli 2009
mit Frantisek Vanicek, Hradec Kralove/Tschechien



 

Bei der Kirchenführung vor dem Konzert. 




 

Die Voigt-Orgel in der Henrietten-Kirche während des Konzertes.




 

Konzert in der Dorfkirche Krugau am 12. Juli 2009
mit Frantisek Vanicek, Hradec Kralove/Tschechien


 

Die Dorfkirche in Krugau. 




 

Bei der Kirchenführung konnte man hören, dass die großen Barockfenster die schmalen mittelalterlichen Öffnungen abgelöst haben.




 

Führung im Kirchturm. 




 

Der Organist Frantisek Vanicek an der Sauer-Orgel von 1933.




 

Die Orgelführung zeigte die Diskrepanz zwischen pneumatischer Technik, barockem Klangkonzept und "modernem" Freipfeifenprospekt - und dennoch ein gelungenes Instrument.




 

Jungstorch vor der Krugauer Kirche. 




3. Mixtur im Bass Wochenende 2009

Konzert in der Dorfkirche Groß Muckrow am 24. Juli 2009
mit Jaroslav Tuma, Prag/Tschechien

Geist und Welt I – Alte Orgelmusik südlich der Alpen


 

Rundgang um die Kirche in Groß Muckrow. 




 

Albrecht Bönisch erläutert die Evangelistenbilder am Altaraufsatz.




 

Bei der Orgelführung in Groß Muckrow. 




 

Italienische Klänge auf Kammerorgel

Im Rahmen der Konzertreihe "Mixtur im Bass" waren am Freitagabend etwa 45 Besucher in die Groß Muckrower Dorfkirche gekommen, um dem tschechischen Weltklasseorganisten Jaroslav Tuma zuzuhören. Etwa ein Dutzend der Besucher erschien schon eine Stunde vor Konzertbeginn. Albrecht Böhnisch aus Großräschen erzählte ihnen Interessantes über die Geschichte und Bauweise der Groß Muckrower Kirche.

Anhand vieler Merkmale kann Böhnisch ableiten, wie die Kirche sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Obwohl im Innenraum des Gotteshauses an der Wandchronik nachzulesen ist, dass es die Kirche schon seit 1300 gibt, kann man aufgrund der Bau- und Mauerweise davon ausgehen, dass der Feldsteinbau mit seinen relativ großen Findlingen aus dem späten Mittelalter stammt und aus der gothischen Zeit Anfang des 15. Jahrhunderts stammt.

"Es ist aber natürlich nicht auszuschließen, dass an selber Stelle vorher schon eine Kirche stand, etwa aus Holz, die vielleicht abgebrannt ist", vermutet Albrecht Böhnisch, was auch die in der Chronik angegebene Erwähnung der Dorfkirche begründen würde. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Veränderungen an dem Gotteshaus vorgenommen. Fenster wurden verändert, Wandmalereien wurden weiß übertüncht und auch am barocken Altar wurden Veränderungen vorgenommen.

Besonders interessant war natürlich die Besichtigung der Orgel, die Pfarrer Friedrich Detlef Plasan als "die schönste Orgel der Lieberoser Kirchengemeinde" würdigte. Erbauer und Bauzeit des Instrumentes sind unbekannt. Nach Überlieferungen im Dorf wurde das Instrument im Jahr 1820 mit Mitteln eines Soldaten der Napoleonischen Befreiungskriege angeschafft und es wird berichtet, dass sie an den Raum angepasst werden musste.

Auch Jaroslav Tuma, der schon Orgeln auf der ganzen Welt zum Klingen brachte, bediente sich während seines anschließenden Konzertes gern dieser barocken Spielerei. Etwa eine Stunde lang erfüllte er die Groß Muckrower Kirche mit geistlicher und weltlicher Orgelmusik italienischer Komponisten und erntete dafür großen Beifall.

In: Märkische Oderzeitung. Beeskow 27. Juli 2009.


 

Im Konzert. 




 

Prof. Tuma auf der provisorischen Orgelbank. 




 

Kirchenradtour am 25. Juli 2009
zu Kirchen südwestlichlich von Luckau

Rückblick



 

Konzert in der Dorfkirche Langengrassau am 25. Juli 2009
mit Jaroslav Tuma, Prag/Tschechien

Geist und Welt II – Alte Orgelmusik zwischen Bayern und Norddeutschland



 

Annegret Gehrmann für durch die Geschichte der Kirche in Langengrassau.




 

Bei der Orgelführung. 




 

Prof. Jaroslav Tuma an der Kayser-Orgel von 1820. 




 

Konzert in der Dorfkirche Frankena am 26. Juli 2009
mit Jaroslav Tuma, Prag/Tschechien

Geist und Welt III – Alte Musik unter den Pyrenäen



 

Mixtur im Bass - Besucher vor dem zugemauerten Südportal in Frankena.




 

Jaroslav Tuma erläutert im Konzert die Katzenfuge von Dominico Scarlatti.




 

Opulente Orgelklänge in Frankenas Feldsteinkirche

Bereits eine Stunde vor dem Orgelkonzert am Sonntag kamen über 30 Personen zur im Programm angekündigten Kirchen- und Orgelführung nach Frankena. Diese beschäftigte sich mit der Baugeschichte des imposanten Feldsteinbaus aus dem Mittelalter und natürlich dem wunderbaren Klang der Orgel.

Das Instrument wurde von Johann Christoph Schröther dem Älteren 1812 erbaut und ist nach den Worten von Albrecht Bönisch, Orgelsachverständiger für die Niederlausitz, das einzige spielbare Instrument dieses Meisters.
Die Frankenaer Orgel ist wohl auch wegen ihrer Einmaligkeit nicht mehr aus der Konzertreihe „Mixtur im Bass“ wegzudenken. Sie hat übrigens die äußerst seltene Manualteilung in eine Mixtur im Bass und ein Cornett im Diskant. Daher wurde der Name für das nun bereits im sechsten Jahr stattfindende Orgelfestival abgeleitet und wegen dieser Teilung, womit auf einer Klaviatur zwei verschiedene Stimmen gleichzeitig erklingen können, hatte der eingeladene Gastorganist Prof. Jaroslav Tuma aus Prag ein Programm mit spanischer Orgelmusik ausgewählt.
„Unter den Pyrenäen“ lautete der Titel des mehr als einstündigen Musikabends mit den herrlichsten Klängen alter Meister. Der Balg wurde im gesamten Konzert per Fuß getreten, um dem Originalklang des 18. Jahrhunderts möglichst nahe zu kommen. Es waren Stücke zu hören, deren Komponistennamen völlig unbekannt sind. So spielte Tuma unter vielem anderen ein Tiento von Francisco Correra de Arauxo aus dem 17. Jahrhundert, eine Orgelsonate von Pater Jose de Larranaga aus dem 18. Jahrhundert und die Katzenfuge g-Moll von Domenico Scarlatti.
Die dabei entstandene Musik ergänzte Jaroslav Tuma mit einer ersten Zugabe, noch bevor das Programm zu Ende war. Nach stehenden Ovationen der vielen auch von weither angereisten Orgelmusikfreunde war dann noch ein Tiento von Juan Bautista Jose Cabanilles zu hören, ein temporeiches begeisterndes Stück. Gottfried Alpermann, Pfarrer im Ruhestand, bedankte sich beim Künstler und beim Publikum mit den Worten: „Ein derartiges virtuoses Konzert hat diese Orgel wohl in ihrem fast 200-jährigen Leben noch nicht erlebt.“

Margarete Bönisch

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Finsterwalde 30.7.2009.


 

Prof. Jaroslav Tuma vor der Schröther-Orgel. 




 

Prof. Tuma am Spieltisch der Orgel in Frankena. 




4. Mixtur im Bass - Wochenende 2009

Konzert in der Dorfkirche Dollenchen am 7. August 2009
mit Jan Blahuta, Wien/Österreich


 

Slowakische Meister in der Feldsteinkirche

Nach tschechischer Orgelmusik vor zwei Jahren gab es in der Reihe Mixtur im Bass diesmal selten gespielte Orgelmusik slowakischer Komponisten. Mitgebracht hatte sie der slowakische Meisterorganist Ján Blahuta, der seit 2004 als selbstständiger Musiker in Wien lebt. Seine Liebe gilt neben großen Orgel-Komponisten den unbekannten Meistern und den kleinen Dorfkirchen. Beides stellte er am Freitagabend in Dollenchen gekonnt unter Beweis.

Verbunden ist die von Rudolf Bönisch aus Großräschen ins Leben gerufene Orgel-Konzertreihe jeweils mit einer Kirchen- und Orgelführung, um den Zusammenhang zwischen sakralem Bau, Musikinstrument und Kompositionen zu verdeutlichen. Rudolf Bönisch stellte die Feldsteinkirche mit ihren Besonderheiten vor und Ján Blahuta selbst die Orgel, bevor er mit seinem Konzert für ein besonderes Hörerlebnis sorgte. Mit Kompositionen wenig bekannter slowakischer Komponisten wie Marckfeiner, Zarewutius und Francisci kam alte slowakische Barockmusik zu Gehör, bevor Ján Blahuta mit Roskowský und Anton Zimmermann weiter musikalisch entlang der Donau in die Mozart-Zeit wanderte und der Wiener Organist die vorzüglichen Klangmöglichkeiten der Morgenstern-Orgel für die siebzig Zuhörer in der kleinen Kirche mit modernen und expressiv gespielten Adaptionen alter Meister unter Beweis stellte.

Mit Ján Blahuta hatte Rudolf Bönisch einen der besten slowakischen Komponisten verpflichten können, der in Bratislava seine musikalische Meisterschaft entwickelt hat. Mit Konzerten in Zwiekau und Straupitz war Blahuta viel gefragter Organist in der Reihe Mixtur im Bass am Wochenende.

Nachdem vor Konzertbeginn Rudolf Bönisch den baulichen Ursprüngen des typischen frühgotischen Feldsteinbaus aus dem 13. Jahrhundert mit romanischen Elementen nachgespürt und auf typische Besonderheiten wie die rechteckige Quadersetzung der Feldsteine und die Portalumrahmung mit zum Teil Raseneisensteinen aufmerksam gemacht hatte, fiel der Blick im Inneren zunächst auf den Taufstein aus dem 15. Jahrhundert und dem im Raum schwebenden Taufengel.

Interessant für die Konzertbesucher war, vom Organisten selbst die Besonderheiten der sich klanglich an das barocke Erbe der Silbermann-Orgeln anlehnenden Morgenstern-Orgel aus dem Jahre 1826 vorgestellt zu bekommen, deren barocke Klangfarbe durch eine Restaurierung des Instrumentes noch betont wurde. Die Mixtur-im-Bass-Besucher erfuhren etliches über den warmen Klang der Holzpfeifen, über die Funktion des Prinzipals und der Pedale.

Intensiv hatte sich Ján Blahuta vor dem Konzert mit den Besonderheiten der Morgenstern-Orgel vertraut gemacht. „Es ist eine Orgel mit sehr weichem Klang“, erklärte er, der an zahlreichen Orgeln der Niederlausitz bereits Erfahrungen gesammelt hat. Im Konzert werde er inspiriert, wenn die Orgel eine ganz eigenständige Charakteristik habe, wenn sie ihren eigenen Klang besitze, erzählt der charmante Neu-Wiener. Für die Dollenchener Orgel sei das der Fall, lobte Blahuta. Besonders bei seiner abschließenden Improvisation im alten Stil zu ,,Lobet den Herrn“ wurde für die Zuhörer hörbar, wie der Organist mit den Möglichkeiten des Instrumentes spielte. Pfarrer Werner Hainsch freute sich mit den anderen Zuhörern über die in der Dollenchener Kirche selten so zu Gehör gebrachten Klangmöglichkeiten der Orgel.

Von Jürgen Weser

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Finsterwalde 11.08.2009.


 

Pfr. i.R. Werner Hainsch erläutert die Ausstattung der mittelalterlichen Dorfkirche in Dollenchen.




 

Der Gastorganist Jan Blahuta führt die klangfarben der Morgenstern-Orgek vor.




 

Jan Blahuta am Spieltisch der Morgenstern-Orgel von 1826.




 

Mit einem Blumenstrauß wird dem Organisten für das beeindruckende Konzert gedankt.




 

Konzert in der Dorfkirche Zieckau am 8. August 2009
mit Jan Blahuta, Wien/Österreich


 

Wiener Charme in Orgel-Tönen in der Zieckauer Kirche

Eine Veranstaltung für Leute mit Stehvermögen und Musikliebe hat am Samstag in der kleinen Zieckauer Dorfkirche wohl mehr als 60 Gäste gefordert und erfreut. Die Veranstalter der Zieckauer Sommerkonzerte und des Internationalen Orgelfestivals „Mixtur im Bass“, Lothar Treder-Schmidt und Rudolf Bönisch, hatten sich erneut für ein Angebot zusammengetan.

Das war erfolgreich, und daran hatte der Wiener Organist Jan Blahuta einen großen Anteil.

Veranstaltungen in der Reihe „Mixtur im Bass“ haben ein Grundschema, das Interesse weckt: Führung durch die Geschichte der Kirche, Hinweise zur Historie der Orgel und schließlich das Orgelkonzert selbst. Das Angebot war für viele in Zieckau ansprechend, und die Zieckauer Gastgeber setzten mit ihrer Kaffeetafel vor der Veranstaltung im Kirchgarten und vielen Gesprächen noch eins drauf.

Dabei ist die Zieckauer Kirche, erbaut als Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert mit Baumaterial von den Äckern der Region, mit ihrer Innenausstattung heute eigentlich eine „Mogelpackung“. Lothar Treder-Schmidt wollte das zwar bei seiner Kirchenführung nicht so deutlich sagen. In gedruckten Kirchenführern steht immer zu lesen, dass das ursprüngliche Inventar durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges zerstört worden sei.

Einesteils ist das richtig, aber Treder-Schmidt verwies auch darauf, dass zum Ende des Zweiten Weltkrieges Zieckau als „Durchgangsdorf für Fremdarbeiter und vielleicht auch für Teile der Wlassow-Armee“ von den Nationalsozialisten komplett mit seinen Bewohnern geräumt worden war. Die Kirche wurde ebenfalls als Unterkunftsraum missbraucht. Danach waren nur noch die Mauern und ein marodes Dach samt Kirchturm übrig.

Das Gestühl auf der kleinen Empore, worauf heute Gäste Platz nehmen können, stammt aus der Heiliggeist-Kapelle in Luckau. Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre ist jene Kapelle als Zufluchtsort für Vertriebene genutzt worden und das Mobiliar samt Altar, Kanzel und eben auch der kleinen Orgel nach Zieckau umgesetzt worden.

„Zu bauen hatten wir seitdem genug“, so Treder-Schmidt. Dank der Gemeinde, aber auch des Ortes und nun des Landes sowie zahlreicher Gönner konnte vieles hergerichtet werden.

„Mit der Glietsch-Orgel, erbaut wohl 1842, hat diese Kirche nach der umfassenden Rekonstruktion ein klingendes Kleinod, das ganz auf den Kirchenraum angepasst zu sein scheint“, urteilte Albrecht Bönisch als Orgelsachverständiger der evangelischen Landeskirche bei seiner Vorstellung des Instruments.

Die kleine Orgel mit der barocken Stimmung ließ unter den Händen von Jan Blahuta in einem fast zweistündigen Konzert – mit Pause – Wiener Charme und barocke Fülle trotz ihrer auf neun Register beschränkten Möglichkeiten hören. In Zieckau noch nie aufgeführte Kompositionen wie zwei Sonaten des barocken Wiener Hofkapellmeisters Johann Joseph Fux und des Musikerziehers der späteren Kaiserin Maria Theresia Gottlieb Muffat erklangen in ihrer filigranen Schönheit.

Zu einer kleinen Hör-Härteprobe wurden allerdings die insgesamt 17 Melodien, die Joseph Haydn für die seinerzeit beliebten Flöten-Uhren schuf. Blahuta spielte sie zwar mit ihren melodiösen zierlichen Feinheiten, aber etliche Zuhörer im Publikum waren von der Länge dieser zusammengefassten Werke doch gefordert. Ähnlich war das mit Teilen des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach und Mozarts Bearbeitungen davon, bei denen die Hörer mit dürftigen Erklärungen ziemlich allein gelassen wurden und ihnen nur die Bewunderung für schönes Orgelspiel blieb.

Detlev Simsch

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Luckau/Dahme 10.08.2009.


 

Plakat im Schaukasten. 




 

Bei der Kirchenführung mit Lothar Treder-Schmidt in Zieckau.




 

Erläuterungen zur Ausstattung aus der Luckauer Hospitalkirche.




 

Übergang zur Orgelführung. 




 

Der Organist an der historischen Glietsch-Orgel. 




 

Zieckauer Tradition - das Kaffeetrinken vor dem Konzert und in der Konzertpause.




 

Jan Blahuta an der Glietsch-Orgel.




 

Konzert in der Schinkelkirche Straupitz am 9. August 2009
mit Jan Blahuta, Wien/Österreich


 

Mehr als 200 Gäste beim Orgel-Konzert in der Straupitzer Schinkel-Kirche

Einen so nicht erwarteten Gäste-Ansturm haben Gemeindevertreter der Straupitzer Schinkel-Kirche und die Veranstalter des Internationalen Orgel-Festivals „Mixtur im Bass“ am Sonntag erlebt. Mehr als 200 Zuhörer haben einem besonderen Programm des Wiener Organisten Jan Blahuta mit vielen Hör-Premieren gelauscht und außerdem bisher Unbekanntes zur Kirche erfahren.

Musik-Veranstalter Rudolf Bönisch und Karl-Heinz Müller von der evangelischen Kirchengemeinde, der die zahlreichen Gäste mit Besonderheiten des Gotteshauses vertraut machte, staunten über das rege Interesse. „Jan Blahuta ist das erste Mal in dieser Kirche, habe ich gehört, und ich bin auch erstmals hier. Die Hartig-Orgel ist ein großes Instrument, da erwarte ich ein schönes Konzert“, so Bernd Rubowski, der derzeit in Burg Urlaub macht und in seiner Heimatstadt Bochum auch viele Konzerte besucht.
Jan Blahuta hatte das Programm mit vielen Komponisten, die der romantischen Musik-Epoche nahe stehen, eigens für diese romantisch gestimmte Orgel aus dem ursprünglichen Baujahr 1831 gewidmet.
Mit seiner ausgefeilten Interpretation unterschiedlicher Stilrichtungen machte der im slowakischen Bratislava geborene Organist, der seit Jahren in Wien lebt, das Konzert zu einer Straupitzer Premieren-Feier. Es schien, als ob die Musikfreunde eben dies erwartet hätten. Musik seines Landmannes aus Bratislava Mikulas Schneider-Trnavsky, dessen Musik im Oberspreewald vielleicht überhaupt noch nicht erklungen ist, spielte Blahuta mit zwei Präludien kräftig wie innig. Dabei zeigte er gleich die vielen Klangmöglichkeiten dieses Instrumentes.
Wenn auch die beiden Präludien mit Fugen des Österreichers Franz Schmidt, der immerhin in den 1930er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Direktor der Wiener Musikakademie war, für viele der Hörer als zeitlich sehr lang empfunden wurden, so gab es mit zwei kurzen, aber verspielt klingenden Musiken der auch als Komponistin begabten Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Hensel, in dieser Spielart des Organisten einen Hörgenuss. Mendelssohn Bartholdy selbst war im Straupitzer Konzert mit einer fulminant gespielten Fuge und einem kräftigen Präludium zuvor zu hören.
Jan Blahuta hatte auch noch zuweilen modernistisch anmutende Klänge zweier Franzosen ins Programm eingearbeitet, um schließlich seine Hörer mit einer Orgelfassung des weltberühmten „Halleluja“ aus dem Oratorium „Der Messias“ von Händel in Atem zu halten.
Zuvor hatte Karl-Heinz Müller vom Straupitzer Gemeindekirchenrat auf vermeintliche Rätsel der großen Kirche mit zwei Türmen in einer relativ kleinen Spreewald-Gemeinde neugierig gemacht. Er lüftete die Geheimnisse gleich selbst: Die Grafen von Houwald als Bauherren der Kirche nach Plänen von Karl-Friedrich Schinkel waren sparsame Haushälter, brauchten aber ein Gotteshaus für gut 1300 Gläubige aus etlichen Gemeinden.
Also wurde die Grundfläche klein, das Gebäude dafür hoch und in mehreren Etagen erbaut. Und weil zum großen Haus ein noch größerer Turm zu teuer war, kamen deren zwei hinzu. Statt eines Freskos im Altarraum sind nun fünf Altarbilder zu bewundern – auch das war kostengünstiger. „Aber für uns heute ist das alles ein Glücksfall“, so Karl-Heinz Müller, und auch ihm galt der Beifall der zahlreichen Zuhörer.

Von Detlev Simsch


In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Lübben 11.08.2009.


 

Dicht gedrängt standen die Interessierten auf der Orgelempore.




 

Bei der Orgelführung. 




 

Herr Müller von der Kirchengemeinde während der Führung.




 

Jan Blahuta am Spieltisch der Hartig-Orgel in Straupitz.




5. Mixtur im Bass - Wochenende 2009

Konzert in der Dorfkirche Waltersdorf am 21. August 2009
mit Philip Crozier, Montreal/Kanada


 

„Spürbare Fülle“ mit der Orgel

Konzert mit Philip Crozier aus Kanada an der Claunigk-Orgel in Waltersdorf

Am vergangenen Freitag wurde mit einem Orgelkonzert in der großartigen mittelalterlichen Feldsteinkirche von Waltersdorf bei Luckau das letzte Konzertwochenende der Reihe „Mixtur im Bass“ eingeläutet. In der abendlichen Stunde war das alterwürdige Gotteshaus mit Kerzen erleuchtet und in diese Stimmung hinein erklang die 1793 erbaute Orgel. Zuvor konnten die interessierten und teilweise von weit her angereisten Zuhörer die Eckdaten zum Kirchenbau und zum Instrument erfahren. Dieses wurde von Carl Gotthold Claunigk aus Sonnewalde erbaut und gehört zu den ältesten spielbaren und restaurierten Instrumenten in der Niederlausitz. Diesen Schatz brachte nun der kanadische Organist Philip Crozier zum klingen. Das Musikprogramm hatte er speziell für die Möglichkeiten der 10 verschiedenen Klangfarben zusammengestellt. Dabei zeigte sich, dass sich die Niederlausitzer Orgel hervorragend für Kompositionen aus ganz Europa eignet. Barockmusik aus England (W. Selby, J. Stanley) war ebenso vertreten wie die großen deutschen Meister J. Pachelbel und D. Buxtehude. Dass J. S. Bach sich die Kompositionstechniken von Buxtehude zueigen machte konnte durch eine Gegenüberstellung von zwei Fugen beider Meister eindrucksvoll gezeigt werden. Die Virtuosität der Bachschen Fuge erntete spontanen Beifall. In das Programm eingestreut waren außerdem auch romantische Werke (F. Mendelsohn Bartholdy, C. Cerny) und sogar moderne Kompositionen z. B. des Kanadiers D. Bédard. Damit schaffte es der Gastorganist ganz unterschiedliche Stimmungen einzufangen und weiterzuführen. Beim „Offertorio“ des Italieners D. Zipoli kam zudem der Cymbelstern zum Einsatz. Die kleinen Glöckchen sind typisch für die strahlende barocke Spielfreude. Am Ende des Konzertes fasste der zuständige Pfarrer Frank Gehrmann die Eindrücke zusammen: Das Konzert führte durch Werke sprühender Freude hin zu fast traurigen, besinnlichen Momenten und wieder zurück. Nicht weniges und einseitiges wurde zu Gehör gebracht, sondern der Abend bot „spürbare Fülle“.

Von Albrecht Bönisch


 

Die Waltersdorfer Kirche war ausschließlich mit Kerzen beleuchtet.




 

Philip Crozier am Spieltisch der Claunigk-Orgel. 




 

Kirchenführung mit Albrecht Bönisch. 




 

Vor dem zugemauerten romanischen Nordportal. 




 

Erläuterungen zur Baugeschichte der Waltersdorfer Feldsteinkirche.




 

Konzert in der Martinskirche Hornow am 22. August 2009
mit Philip Crozier, Montreal/Kanada


 

Grandioser Abschluss mit Bachscher Fantasie

Fast alle Bankreihen in der St. Martinskirche zu Hornow waren besetzt als das „Voluntary in A“ vom Engländer William Selby erklang. An der Orgel saß der international agierende Organist Philip Crozier aus Montreal, der in den Wochen zuvor bereits an den riesigen Orgeln im belgischen Gent, im holländischen Nordwijk und im Kölner Dom konzertiert hatte.

Die etwa 130 Besucher des vorletzten Konzertes der internationalen Orgelreihe „Mixtur im Bass“ haben am Samstag einen spielfreudigen Philip Crozier erlebt, der begeistert an der kleinen Hornower Orgel mit nur acht Klangfarben gespielt hat. Besonders hervorzuheben sind die Partita „Werde munter, mein Gemüte“ vom Barockkomponisten Johann Pachelbel und die folgenden zwei Paraphrasen des 1950 geborenen kanadischen Landsmannes Denis Bedard. Freude brachte ebenso die Humoresque von Pietro A. Yon, die eigentlich für Flöte geschrieben wurde und so mit dem Orgelregister Flöte acht Fuß vorgetragen wurde. Weiter im Programm waren Mendelssohn Bartholdys Präludium und Fuge G-Dur und drei barocke Stücke vom norddeutschen Komponisten Dietrich Buxtehude. Das Konzert schloss mit der weitgehend unbekannten Fantasie G-Dur BWV 571 vom Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach, ein grandioses Ende, das nicht enden wollenden Beifall brachte. Nachdem dem Künstler von der sehr engagierten Hornower Organistin Irene Nitschke für die dem Ort und seinen Musik interessierten Gästen überbrachten musikalischen Schätze eine Schatztruhe aus Schokolade überreicht wurde, bedankte sich seinerseits Philip Crozier mit einem Stück von Joseph Haydn.

Es war eine wunderbare und von den Besuchern gut aufgenommene Geste, dass am Ausgang jeder ein Stück Schokolade der ortsansässigen Manufaktur erhielt. „Ein Kompliment für dieses großartige ehrenamtliche Engagement“, so verabschiedete sich ein Herr aus Augsburg, dem das Gesamterlebnis von Kirchenführung, Vorstellung der Klangfarben der Orgel und das Konzert sehr gut gefiel. Ein Ehepaar aus Cottbus wolle sich auch das sonntägliche Abschlusskonzert in der katholischen Stiftskirche Neuzelle nicht entgehen lassen.

Der kanadische Musikdirektor Philip Crozier war begeistert. Soviel interessantes Drumherum um ein Orgelkonzert habe er selten erlebt. Er sagt: „Orgelkonzerte in großen Kathedralen haben zwar den Vorteil eines gewaltigen Nachhalles der Akkorde in den Gewölben, aber beim Konzert in der Dorfkirche Hornow ist dieser Nachhall in den Herzen der Menschen zu spüren.“

Den Konzertbesuchern war zuvor bei einem Kirchenrundgang das Gotteshaus näher gebracht worden.

Von Margarete Bönisch

In: Lausitzer Rundschau. Ausgabe Spremberg 25.08.2009.


 

Interessierte bei der Kirchenführung in Hornow. 




 

Kirchenführung in Hornow: Renaissance-Altar und "Luce-floreo"-Fenster.




 

Der Organist am Spieltisch der Sauer-Orgel. 




 

Das dankbare Publikum nach dem Konzert. 




 

Konzert in der Kath. Stiftskirche Neuzelle am 23. August 2009
mit Philip Crozier, Montreal/Kanada

Große Kirchen- und Orgelführung
vor dem Konzert
in der Ev. Kreuzkirche, dem Klostergelände und der Kath. Stiftskirche
mit Albrecht Bönisch.

Abschlusskonzert des diesjährigen Konzertzyklus an historischen Orgeln der Niederlausitz.


 



 

„Zweihundert Leute bei einem Orgelkonzert, das ist gewaltig in unserer Region“, begeisterte sich Rudolf Bönisch, Vorsitzender der im Jahre 2002 gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Orgellandschaft Niederlausitz“, welche nun im sechsten Jahr die Reihe „Mixtur im Bass“ veranstaltet hat. Zum Abschlusskonzert nach 14 Konzerten an fünf Wochenenden spielte in der Stiftskirche Neuzelle der Kanadier Philip Crozier die historische 24-stimmige Sauer-Orgel von 1906, die mit der Orgel der Schinkel-Kirche in Straupitz die größte Orgel in der Reihe ist.
Bestritten wurden die Konzerte von sechs international bekannten Organisten, darunter auch Matthias Eisenberg. Für Philip Crozier bildete das Konzert in Neuzelle das Ende einer Europatournee. Obwohl das Neuzeller Instrument nach den Orgeln in Fürstenwalde zu den drei größten des Landkreises Oder-Spree zählt, war es für den Kanadier eine kleine Orgel, aber „mit vielen Besonderheiten in den Klangfarben“, wie er anerkannte.

Diese Eigenheiten lotete Philip Crozier mit viel musikalischem Gespür aus, indem er auf die Klanggewalt des vollen Werkes verzichtete, dafür aber immer wieder andere Zusammenstellungen mit nur wenigen Registern präsentierte. So konnte er bei den „Six Paraphrases grégoriennes“ seines 1950 geborenen Landsmannes Denis Bédard einen dunkel-romantischen Klang präsentieren, wie er zur Entstehungszeit der Orgel geliebt wurde. In Stücken für Flöte von Pietro A. Yon (1886-1943) und Joseph Haydn (1732-1809) sowie in dem Trio in G, BWV 586 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) wiederum trat das Instrument mit hellem, zartem Klang in Erscheinung. Bei aller rhythmischen Bewegtheit in einzelnen Stimmen wurde dieses Konzert durch einen kontemplativen, beschaulichen Charakter geprägt.

Die Konzertreihe „Mixtur im Bass“ hat sich, was die Besucherzahlen anbelangt, kontinuierlich entwickelt. Auch zu den Veranstaltungen in Dorfkirchen, zu denen im Landkreis Oder-Spree noch das Konzert in Groß Muckrow gehörte, seien in diesem Jahr immer achtzig bis einhundert Besucher zu verzeichnen gewesen. Auf großes Interesse stoße auch, dass in diesem Jahr erstmals durch den Orgelsachverständigen der Niederlausitz, Albrecht Bönisch, „Kirchen- und Orgelführungen als Einheit“ durchgeführt wurden, so der Vorsitzende.

Von Elke Lang

In: Märkische Oderzeitung 25.08.2009.


 

Philip Crozier in St. Mariae Himmelfahrt, Neuzelle; u.a.

Von Clemens Schäfer, Düsseldorf (27.08.2009)

...da glaubt man sich in Oberschwaben, oder - wegen des weiß-blauen Himmels - eher in Oberbayern: Plötzlich fährt man auf eine Barockkirche zu, wie man sie in den genannten Landschaften gewöhnt ist. Zwei Sterne in der Autokarte hatten mich neugierig gemacht. Eine barocke Klosteranlage (Zisterzienser), gegründet 1281, ist Neuzelle in der Niederlausitz (wenige Kilometer südlich von Eisenhüttenstadt). Der Klosterkomplex ist gut erhalten. Die Klosterkirche, ursprünglich ein gotischer Bachsteinbau, wurde in zwei Phasen so gründlich barockisiert, daß man schon genau hinsehen muß, um am Ostgiebel noch zugemauerte Spitzbogenfester auszumachen. Der Kreuzgang ist noch in Backstein erhalten. Ferner gibt es eine zweite Kirche, ebenfalls barockisiert, für die Bewohner der zum Kloster gehörenden Dörfer (“Leutekirche”) - die Klosterkirche war ursprünglich den Mönchen allein vorbehalten. Neuzelle war in der Reformation katholisch geblieben. Allerdings hatte sich die Bevölkerung dem neuen Glauben zugewandt. Das führte zu der Kuriosität, daß die Äbte von Neuzelle die evangelischen Geistlichen in den umliegenden Dorfkirchen bestellen mußten. Die Säkularisierung von 1806 überstand Neuzelle noch, auch wurde dem Kloster vom preußischen Hof der Fortbestand schriftlich zugesichert; 1817 stand dann aber preußisches Militär in Neuzelle und konfiszierte die Anlage. Die Leutekirche wurde evangelisch, die Klosterkirche zur kath. Pfarrkirche. So ist es bis heute geblieben.

Dies und viele Einzelheiten zu der Ausstattung beider Kirchen konnte ich in einer gut 90-minütigen, kenntnisreichen und geschickt vorgetragen Führung am 23.08.2009 durch Albrecht Bönisch erfahren. Bönisch führte auch beide Orgeln vor. Die der Leutekirche muß danach ein im Laufe der Jahre mehrfach verschlimmbessertes Werk sein. Interessant ist aber der Prospekt mit seinen “Sonnenpfeifen” (stumm). Man hoffe, irgendwann Geld für einen Neubau zu haben. In der Klosterkirche gab es die dynamsche Differenzierung der Manuale zu hören, vom ppp bis zum Tutti. Der Prospekt ist klassizistisch und paßt so nur bedingt in die barocke Ausstattung - ist halt historisch so gewachsen. Die Führung war gut besucht - mehr als 100 Teilnehmer. Die blieben dann auch fast alle zum anschließenden Konzert in der Klosterkirche; weitere Konzertbesucher traten hinzu.

Auf der Sauer-Orgel (op. 891, 24/II)) von 1906, restauriert 2001 von Christian Scheffler, spielte Philip Crozier, Montreal. Es war zugleich das Abschlußkonzert der Reihe "Mixtur im Baß - Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz".

Es ging ruhig und ohne Ansage los mit Pachelbel, Partita “Werde munter, mein Gemüte”. Dann begrüßte der Veranstalter Rudolf Bönisch die Besucher und gab noch ein paar Hinweise zum Programm. Mäßig modern dann “Six Paraphrases grégoriennes” von Denis Bédard (*1950). Von Bach schloß sich das Trio in G BWV 586 an. Die Flötenregister kamen danach in der “Humoresque “L’organo primitivo”” von Pietro A. Yon (1886-1943) zum Zuge. Von Buxtehude folgte die Ciaconna c-moll (BuxWV 159).Von Haydn gab es vier Stücke für eine Flötenuhr, die im Charakter recht unterschiedlich waren. Aufhorchen ließ auch Petr Eben mit “Adoro te devote”. Erstaunlich, wie modern danach auch Purcell klang. Das war perfekte Programmregie. Das Voluntary for Double Organ (Z 719) behauptete sich an dieser Stelle ganz selbstverständlich. Ein weiters Voluntary (in A, diesmal von Stanley) folgte. Dann kam die Verabschiedung und die obligatorische Bitte um eine Spende (Führung und Konzert waren unentgeltlich), ferner ein Hinweis auf das CD-Projekt. Crozier beendete das Programm mit einer romantischen Registrierung von BWV 680 “Wir glauben all’ an einen Gott”.

All’ dies hatte Crozier mit viel Geschmack dargeboten; offenbar hatte er sich viel Mühe mit der Registrierung und den akustischen Gegebenheiten gemacht. Verdient herzlicher, anhaltender Beifall.

In: www.orgelforum.de


 

Barocke Pracht und romantische Klänge: Neuzelle.